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Mit der Präsentation von 88 Künstlern und Künstlerinnen aus 25 afrikanischen Ländern bietet die Ausstellung „Afrika Remix“ erstmals einen Nord-, Zentral- und Südafrika und damit Schwarz- und Weiß-Afrika umfassenden Blick auf das aktuelle Kunstschaffen des afrikanischen Kontinents – jenseits der naivisierenden Touristenkunst. Das Spektrum der 137 ausgestellten Werke und Werkgruppen umfasst Malerei, Zeichnung, Skulptur, Assemblage, mehrteilige Installationen, Photographie, Video, Film sowie in Exkursen afrikanisches Möbeldesign, afrikanische Musik, Literatur und Mode. Gezeigt werden Arbeiten, die in den letzten 10 Jahren oder aktuell für die Düsseldorfer Ausstellung entstanden sind.

Die im Düsseldorfer museum kunst palast startende Ausstellung „Afrika Remix“ entstand in Kooperation mit der Hayward Gallery in London, dem Centre Georges Pompidou in Paris und dem Mori Art Museum in Tokio, wo sie im Anschluss Station machen wird. Unter der Leitung des in Paris lebenden, aus Kamerun stammenden Schriftstellers und Chefredakteurs der „Revue Noire“, Simon Njami, erfolgte die Erarbeitung des Ausstellungskonzepts und die Auswahl der Künstler.

„Die Ausstellung wirft Fragen auf: Was ist zeitgenössische afrikanische Kunst und was können wir heute darüber sagen und zeigen, nach all den Erfahrungen, die in Europa gemacht wurden? Gibt es irgendeine brauchbare Definition? Kommt sie dem westlichen Ansatz nahe oder ist sie weit davon entfernt? In welcher Hinsicht? Wir geben gar nicht vor, die Antworten liefern zu wollen, sondern möchten Fragen stellen, die nie zuvor gestellt worden sind. Wir möchten uns auf den Zauber eines Kunstwerkes konzentrieren, das im Rahmen des Konzeptes einer Ausstellung gezeigt wird, welche einen Überblick darüber gibt, was Afrika heute sein könnte. Wie die afrikanische Kunst von morgen aussehen könnte und welches die fehlenden Bindeglieder zwischen dem alten Afrika und dem Afrika von heute sind. Wir haben keine klare Vorstellung von den Ergebnissen. Wir wissen aber, dass wir versucht haben, uns aus den zahlreichen Denkfallen zu befreien, durch die unser allgemeines Bild von Afrika gekennzeichnet ist.“ (Simon Njami)

In der facettenreichen Schau, die die lebendige Kunstszene Afrikas und der afrikanischen Communities außerhalb des Kontinents widerspiegelt, finden sich international bekannte Künstler wie die Documenta-Teilnehmer David Goldblatt, Bodys Isek Kingelez, William Kentridge, Pascale Marthine Tayou und der jüngst für den Turner-Preis nominierte Yinka Shonibare. Gleichberechtigt zu diesen renommierten Künstlern finden ebenso Autodidakten, zu denen u.a. Fernando Alvim, Fernando A. Mabote, genannt Titos, und Abu-Bakarr Mansaray gehören, in der Ausstellung ihren Platz.

Vertreten sind Künstler wie Frédéric Bruly Bouabré, Chéri Samba oder Bodys Kingelez, die seit ihrer Teilnahme an der von Jean-Hubert Martin 1989 in Paris gezeigten, aufgrund ihrer globalen Perspektive Bahn brechenden Schau „Magiciens de la Terre“ einen Platz auf dem internationalen Kunstmarkt eingenommen haben. Außer dem Künstler Gera, der 2000 verstarb, sind ausnahmslos Werke lebender Künstler in der Schau präsent.

„Es erscheint mir wichtig zu erwähnen, dass die Künstlerauswahl aufgrund von persönlichen Atelierbesuchen stattgefunden hat; teilweise während mehrerer Reisen, die Simon Njami quer durch Afrika unternommen hat.“ (Jean-Hubert Martin)

Zu den ältesten Künstlern der Ausstellung gehören mit dem Geburtsjahr 1923 neben dem Zeichner Bouabré auch der Bildhauer Jackson Hlungwani. Die Videokünstlerin Michèle Magema, geboren 1977, und der Photograph N’Dilo Mutima, geboren 1978, zählen dagegen zu den jüngsten Vertretern afrikanischer Kunst.

„Die enorm vielfältige, junge Künstlergeneration Afrikas war es, die den Ausschlag für diese Ausstellung gab. Das Attribut „Remix“ meint gerade dies: dass die Karten neu gemischt sind; wir es mit einer hybriden Situation zu tun haben, in der auch die Globalisierung ihren Widerhall findet. Viele der Künstler reisen viel, einige von ihnen haben mehrere Wohnsitze und pendeln zwischen Afrika und anderen Kontinenten hin und her, was mit ein Grund ist, weshalb diese Ausstellung keinen Unterschied macht zwischen Künstlern, die in Afrika leben, und solchen, die ihr Dasein in der „Diaspora“ fristen. Afrika Remix ist jedoch auch als Antwort auf die Enttäuschung der letzten Documenta zu verstehen. Die geringe Zahl afrikanischer Künstler, die Okwui Enwezor in Kassel zeigte, war für viele – auch für das Kuratorenteam von Afrika Remix unbefriedigend.“ (Jean-Hubert Martin)

„Afrika Remix“ setzt auf die „Präsenz des Gegenwärtigen“ und stellt somit die Verbindung der Kunst zum Leben, wie sie in den einzelnen Werken konzeptionell, ästhetisch und formal reflektiert wird, in den Vordergrund. Thematisch gliedert sich die Schau in drei konzeptuelle Themenschwerpunkte und bündelt die Vielfalt der künstlerischen Ansätze in den Kategorien: Body & Soul,
History & Identity,
City & Land.

Im Kontext von History & Identity reflektieren Künstler wie Aimé Ntakiyica mit seinen Selbstdarstellungen in verschiedenen europäischen Folkloretrachten („WIR“, 2003) oder Künstlerinnen wie die als Tochter einer deutschen Mutter und eines kenianischen Vaters geborene Ingrid Mwangi in ihren Videoarbeiten („Down by the river“, 2001) die selbst erlebten kulturelle Brüche, aber auch das historische Verständnis von Nation. Oder sie fokussieren wie David Goldblatt in seinen Photographien die conditio humana einer Gesellschaft in Zeiten der Post Apartheid.

In hybriden Afrika-Konstrukten wie Shonibares „Salon eines viktorianischen Philanthropen“ (1996/97) oder Jane Alexanders Raum-Installation „Afrikanisches Abenteuer“ (1999-2002) werden dagegen auf subtile Weise sowohl die Bedeutung von Authentizität hinterfragt als auch die Differenzen des interkulturellen Dialogs, die vermeintliche Dichotomie des „exotischen“ Kontinents und des „zivilisierten“ Europas aufgezeigt. Mit hintergründigem Humor lenkt Fernando Alvim den Besucher mittels Spiegel auf den Weg der Erkenntnis. Neben dem auf großformatiger Leinwand applizierten Spiegel kann dieser in großen Lettern lesen: „We are all post exotics“ (2004).

In phantastischen Architekturmodellen wie von Kingelez („La ville de Sète en 3009“, 2000) oder Architektur-Collagen wie von Allan deSouza („The Goncourt brothers stand between Caesar and the Thief of Bagdad“, 2003) nehmen urbane Utopien in unterschiedlichen künstlerischen Formulierungen Gestalt an. In komplexen Installationen und Gemälden erfolgen Annäherungen an die Stadt als Ort der Freiheit oder auch des Scheiterns. In den Kontext City & Land gehören neben den poetisch, zuweilen melancholisch anmutenden Momentaufnahmen des „afrikanischen“ Alltags durch zahlreiche Fotokünstler, die mit ihrer Kamera ein kaleidoskopartiges Bild der Realität entwerfen, auch die Künstler, die wie El Anatsui, Dilomprizulike oder Willie Bester im Zuge aufwändiger Recyclingprozesse den zivilisatorischen Abfall und Schrott zu neuen ästhetischen Gestaltungen formt.

Der Autodidakt Titos baut aus den Fundstücken, die er in Townships und im Busch von Mosambik sammelt, aus Blechen, Pappen und Bambus sogar ein Flugzeug samt Pilot („Plane“, 2001). Der ebenfalls in Mosambik lebende Gonçalo Mabunda verwandelt Waffen wie AK-47 Gewehre, Raketenwerfer, Handgranaten, die nach dem Ende des Bürgerkriegs eingesammelt wurden, in Kunst wie den „Eiffel-Tower“, 2002, oder „Chair“, 2002.

Im Themenbereich Body & Soul zeigt sich der Körper als Matrix künstlerischer Diskurse und Gender als ein Schwerpunkt in einer Vielzahl künstlerischer Arbeiten. Tracey Rose („TRO“, 2000), Loulou Chérinet („Bleeding Men“, 2003) oder die Collage-Künstlerin Wangechi Mutu („In killing fields sweet butterfly ascend“, 2003) präsentieren in ihren Arbeiten fragmentierte oder auch bizarr montierte Körper als Ausdruck von Verdrängungsängsten oder kulturellen Brüchen. Sie hinterfragen die kulturell geprägten geschlechtsspezifischen Stereotypen wie z.B. auch Richard Onyango in seinen Gemälden mit der Darstellung einer dominanten Frau („The young man hides from the big woman“, 2002).

Die Bedeutung des Blicks, die Selbstpräsentation, die Porträts z.B. von Zahnlückenträgern wie sie die Photoserie „Grace“, 2000, von Eileen Perrier vorstellt, das Phänomen der Maskierung, z. B. in Hicham Benohouds Photoserie „Version soft“, 2003, gehören zu den weiteren Aspekten in diesem Kontext. Auch Bili Bidjocka bietet mit seiner Rauminstallation „Room of Tears“, 2004, eine beeindruckende Ausdrucksform für den künstlerischen Komplex von Body & Soul.

Generaldirektor:
Jean-Hubert Martin, museum kunst palast

Haupt-Kurator
Simon Njami, freier Kurator, Paris

Kuratoren-Team:
Marie-Laure Bernadac: Oberkustodin für zeitgenössische Kunst, Louvre,
Kuratorin, Centre Georges Pompidou, Paris
David Elliott: Direktor, Mori Art Museum, Tokio
Roger Malbert: Kurator, Hayward Gallery, London
Jean-Hubert Martin: Generaldirektor, museum kunst palast

Künstlerische Beratung: Els van der Plas, Prince Claus Fund, Den Haag

Die Ausstellung “Afrika Remix” entstand in Zusammenarbeit mit dem Centre Georges Pompidou, Paris, der Hayward Gallery, London, dem Mori Art Museum, Tokio und dem museum kunst palast, Düsseldorf.

Projektleitung:
Dr. Claudia Banz, museum kunst palast

Ausstellungsmanagement:
Mattijs Visser, museum kunst palast

Anzahl der Werke:
Über 130 Werke/Werkgruppen (Gemälde, Zeichnungen, Videos, Skulpturen, mehrteilige Installationen, Filme, Photographien, Multimedia).

Es gibt zudem eine Music-Bar mit Möbeldesign von Balthazar Faye und afrikanischer Musik, ausgewählt von Lucy Duran und Dudu Sarr, sowie einen mit afrikanischer Literatur ausgestatteten Reading Room, dessen Möbeldesign von Cheik Diallo stammt

Ebenso werden in einem eigens dafür gestalteten Bereich afrikanische Kurzfilme und Videos gezeigt.

Katalog:
Zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag ein Katalog mit ca. 352 Seiten und ca. 320 Abb., davon ca. 240 farbig. Texte von Jean Loup Amselle, Francois Bensignor, Marie-Laure Bernadac/Abdelwahab Meddeb, Clémentine Deliss, Manthia Diawara, David Elliott, Yukita Kawaguchi, Jean-Hubert Martin, Bernard Müller, Hudita N. Mustafa, Simon Njami, John Picton.

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Africa Remix - Contemporary art of a continent
Kuratorenteam: Simon Njami, David Elliott, Roger Malbert, Jean-Hubert Martin, Marie-Laure Bernadac, Alfred Pacquement

Künstler: Georges Adéagbo, Akinbode Akinbiyi, Sunday Jack Akpan, Jane Alexander, Fernando Alvim, Abdel Ghany Kenaway & Amal Kenaway, Ghada Amer, El Anatsui, Joel Andrianomearisoa, Rui Assubuji, Lara Baladi, Luis Basto, Hicham Benohoud, Willie Bester, Zarina Bhimji, Berry Bickle, Bili Bidjocka, Andries Botha, Wim Botha, Zoulikha Bouabdellah, Frédéric Bruly Bouabré, Cheri Cherin, Loulou Chérinet, Soly Cisse, Omar D., Allan deSouza, Cheik Diallo, Dilomprizulike , Marlene Dumas, Mohamed El Baz, Ymane Fakhir, Samuel Fosso, Meschac Gaba, Jellel Gasteli, David Goldblatt, Romuald Hazoume, Jackson Mbhazima Hlungwani, Paulo Kapela, William Kentridge, Bodys Isek Kingelez, Abdoulaye Konate, Moshekwa Langa, Ananias Leki Dago, Goddy Leye, Georges Lilanga Di Nyama, Franck K. Lundangi, Goncalo Mabunda, Michèle Magema, Abu Bakarr Mansaray, Gera Mawi Mazgabu, Julie Mehretu, Myriam Mihindou, Santu Mofokeng, Zwelethu Mthethwa, Hassan Musa, N´Dilo Mutima, Wangechi Mutu, Ingrid Mwangi, Sabah Naim, Moataz Nasr, Otobong Nkanga, Shady El Noshokaty, Aime Ntakiyica, Antonio Ole, Richard Onyango, Owusu-Ankomah, Eileen Perrier, Rodney Place, Francis Pume, Tracey Rose, Chéri Samba, Sergio Santimano, Zineb Sedira, Benyounes Semtati, Yinka Shonibare, Joseph Francis Sumegne, Pascale Marthine Tayou, Patrice Felix Tchicaya, Guy Tillim, Titos, Barthelemy Toguo, Cyprien Tokoudagba, Fatimah Tuggar, Ernest Weangai

Stationen:
24.07.04 – 07.11.04 Museum Kunst Palast, Düsseldorf
10.02.05 – 17.04.05 Hayward Gallery, London
25.05.05 – 15.08.05 Centre Pompidou, Paris
27.05.06 – 31.08.06 Mori Art Museum, Tokio
14.10.06 - 14.01.07 Moderna Museet Stockholm
24.06.07 - 30.09.07 Johannesburg Art Gallery