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Durchgängiges Thema in Alice Creischers künstlerischen und theoretischen Arbeiten ist die Sichtbarmachung von Prozessen in Politik und Wirtschaft und deren Kultur.

Thematische Schwerpunkte liegen dabei auf Staats- und Geschichtstheorie und Ökonomiekritik. Creischer wählt dazu z.B. einen realen historischen Bezugspunkt und bettet diesen in eine neue, frei gewählte Erzählung mit teilweise absurden Szenerien ein. Realität und Fiktion gehen vor allem in ihren frühen Texten aus den achtziger Jahren eine Allianz des Imaginären ein.

Mit Alice Creischer präsentiert die Gesellschaft für Aktuelle Kunst eine Grenzgängerin der Genres und Rollen. Ihre Arbeit lässt sich nur schwer charakterisieren, denn Creischer arbeitet in verschiedenen Gruppenkontexten, kuratiert auch Ausstellungen oder schreibt für Kunstzeitschriften. Für ihre Ausstellungen entstehen aus ihrer Textproduktion heraus verschiedene Visualisierungen und Objekte. Bislang hat sie vor allem international ausgestellt.

Die Ausstellung in der GAK ist zweiteilig angelegt. Einerseits wird Creischer ein neues Projekt, basierend auf ihren Erfahrungen der letzten beiden Jahre in Buenos Aires und New Dehli, erarbeiten. Beherrscht wird diese Idee derzeit von der Vision eines Instrumentariums zum osmotischen Druckausgleich von Armut und Reichtum.

Andererseits ist die Ausstellung retrospektiv angelegt und dokumentiert vor allem ihre performativen und literarischen Arbeiten erstmals im Überblick. Rund um einen großen Texttisch, der Creischers dramatisch-poetische Texte ab Mitte der achtziger Jahre bis hin zu den Briefen über den Stand der Dinge in Argentinien 2003 vereint, versammeln sich die zu den Texten gehörenden Objekte und Dokumentationen.

Eine Grenzgängerin Noch während ihres Studiums in Düsseldorf entwarf Creischer Maschinen zur Präsentation und Rezeption ihrer Texte. Projekte wie "Alle Tage Jericho. Ich die Posaune" verlangten vom Rezipienten z.B. den Gang durch die Stadt mit der dazugehörigen Apparatur, die den Text aufführte. Die Maschine bestand aus mehreren großen Membranen und Sprechrohren, die den Ton verzerrten, aus einem Spiegelsystem zur Orientierung für den Benutzer und aus zwei Hörtrichtern. "Das Verbrechen aus Leidenschaft" wurde 1987 szenisch aufgeführt, ebenso wie die Textcollage "Ist ein erotischer Staat möglich? Der Verkehrsunfall", die einem eigenwilligen Bewusstseinsstrom folgt. Seit dem bedient sich Creischer der unterschiedlichsten Medien. Neben Hörstücken, Videos (teilweise mit Knetfiguren animiert), Zeichnungen oder auch Malerei, appliziert Creischer in ihren letzten Arbeiten die Texte vor allem auf Kleidungsstücke und Stoffe.

Alice Creischer, geboren 1960, lebt und arbeitet in Berlin. Die Ausstellung in der GAK ist ihre erste Einzelpräsentation in Deutschland.

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kunstaspekte-Specials zur Ausstellung:
A. Creischer, kunstaspekte Interview