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Vom 28. März bis 11. April 2006 installiert der Maler Bernd Zimmer in 14 Leuchtkästen der Berliner U-Bahnhöfe Kochstraße bis Friedrichstraße seinen neuesten Bildzyklus, einen Kreuzweg. Die Leuchtkästen werden zunächst verhängt, ab dem 28. März wird täglich das Bild der jeweils nächsten Station enthüllt. Die Installation in den U-Bahnhöfen wird von einer Ausstellung im Museum Nikolaikirche begleitet, die den gesamten Bildzyklus mit seinen 14 Stationen in einem Raum versammelt.

Seit nunmehr 30 Jahren stellt Bernd Zimmer seine Arbeiten im nationalen und internationalen Kunstgeschehen in Museen, Kunstvereinen und Galerien aus. Seine ersten großen öffentlichen Erfolge hatte Bernd Zimmer in den späten 70er Jahren im Rahmen der Bewegung der so genannten „Neuen Wilden“, im Besonderen innerhalb der berühmten Galerie am Moritzplatz, die er 1978 gemeinsam mit Salomé, Helmut Middendorf und Rainer Fetting ins Leben rief. Seither gehört seine künstlerische Karriere zu einer der erfolgreichsten und nachhaltigsten in Deutschland. Seine Bilder sind Bestandteil nahezu aller wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen. Sie hängen im Bundeskanzleramt, im Sitzungssaal des Kabinetts sowie in repräsentativen Räumen des Bundesrates.

Dominiert im Gesamtwerk von Bernd Zimmer die Auseinandersetzung mit der Landschaft als künstlerischem Thema, so greift er mit seinem neusten Zyklus „Lema Sabachtani: 14 Stationen des Kreuzwegs“ ein Motiv der christlichen Bildtradition auf. Ein Kreuzweg vereint traditionell bildliche oder plastische Darstellungen, die im kirchlichen Kontext die Leidensgeschichte Jesu thematisieren. Inhalt und Anzahl der Stationen variieren im Lauf der Geschichte, seit dem 17. Jahrhundert sind allgemein 14 Stationen üblich. Im 20. Jahrhundert setzten Künstler wie beispielsweise Antoni Tàpies, Otto Herbert Hajek, Robert Wilson oder Barnett Newman dieses Bildmotiv in denkbar unterschiedlicher Weise um, letzterer ohne seine „Stations of the Cross“ im ursprünglichen Sinn der christlichen Ikonografie zu verstehen.

Bei dem Kreuzweg von Bernd Zimmer handelt es sich um 14 mehrfarbige Holzschnitte (173 x 116 cm), die auf papierkaschiertes Buchbinderleinen gedruckt sind. Die einzelnen Holzstöcke wurden vom Künstler mit Schneidemessern und Motorsäge bearbeitet und in mehreren Vorgängen gedruckt. Allein das große Holzkreuz, das dabei als selbständiges Objekt behandelt wurde, erforderte einen separaten Druckvorgang. Im Gegensatz zu den übrigen Farbflächen strukturiert eine deutlich sichtbare Holzmaserung dieses immer wiederkehrende Motiv des Kreuzes und lässt es dadurch nicht nur in formaler und farblicher, sondern auch in technischer Hinsicht hervortreten. Möglicherweise liegt dieser dezidierten Betonung des organischen, gewachsenen Materials ein Hinweis auf den Lebensbaum zugrunde, der in der christlichen Ikonografie eng mit dem Symbol des Kreuzes verknüpft ist.

Inhaltlich orientiert sich Bernd Zimmer an der Symbolik des Kreuzwegs als Ausdruck des Leidens, seines Ertragens und Überwindens im Allgemeinen. Dies hat eine zutiefst persönliche subjektive Gültigkeit und ist gleichzeitig ein Thema, das bestimmte gesellschaftliche Gruppen bis hin zu ganzen Gesellschaften beschäftigt. Leid in Form von Kriegen, Wetterkatastrophen oder persönlichen Einzelschicksalen - immer gibt es Menschen, die in solchen Krisensituationen soziale Verantwortung übernehmen und vorbildlich an der Linderung oder Überwindung menschlichen Leids mitwirken. Diesen Menschen ist der Bildzyklus ebenso gewidmet wie jenen, die täglich an der Bewältigung eines schweren persönlichen Schicksals arbeiten.

Darüber hinaus erzählt die Passion – der Kreuzweg Christi – jene Geschichte, die zur Grundlage des Christentums werden sollte und zur Gründung der Weltreligion der Katholischen Kirche führte. Jesu Tod am Kreuz, sein im Markusevangelium überlieferter verzweifelter Ausruf „Eloi, lema sabachtani?“ („Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“) und seine Auferstehung wurden zum Ausgangspunkt einer neuen Religionsfindung. Erst der finale Augenblick des Sterbens und seine Überwindung ließ ihn in den Augen der Anderen sichtbar zu Gottes Sohn werden und bildete damit den Grundgedanken der christlichen Religion.

Zur Ausstellung erscheint eine Buchpublikation.

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Bernd Zimmer "Lema Sabachtani"
14 Stationen des Kreuzwegs in Leuchtkästen der Berliner U-Bahn
in Zusammenarbeit mit VVR Berek GmbH und Galerie Michael Schultz, Berlin

Orte: Museum Nikolaikirche und Berliner U-Bahnhöfe Kochstraße bis Friedrichstraße