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Die erste große Museumsausstellung der bedeutenden amerikanischen Künstlerin Am 24. September 2004 eröffnen wir die erste große Museumsausstellung der amerikanischen Künstlerin Sturtevant. Für diese umfangreiche Gesamtschau mit fast 140 Werken werden wir alle Ausstellungsräume des Museums nutzen, so dass bis Ende Januar 2005 im MMK ausschließlich Werke von Sturtevant zu sehen sein werden. Trotz ihrer Bedeutung für die Kunstgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat bislang kein Museum eines ihrer Werke erworben; zu irritierend und vielleicht auch zu provozierend ist das Konzept der jetzt 74-jährigen Künstlerin bis zum heutigen Tag geblieben.

Sturtevant, 1930 in Lakewood, Ohio, geboren, lebt heute in Paris und Cambridge, MA. In den letzten vierzig Jahren erarbeitete sie sich das vielleicht radikalste Werk ihrer Generation und verfolgt eine rigorose konzeptuelle Strategie. Verbunden durch enge Freundschaften zu Jasper Johns, Andy Warhol, Frank Stella und anderen entschließt sich Sturtevant ab 1964, Meisterwerke ihrer ausschließlich männlichen Künstlerkollegen zu wiederholen. In überraschend kurzem zeitlichen Abstand zur Entstehung der »Originale« arbeitet sie handwerklich äußerst präzise und dennoch mit großer künstlerischer Freiheit. »Der emotionale und intellektuelle Schock, auf ein bekanntes Objekt zu stoßen,dem dann sein Inhalt abgesprochen wird, hat, wenn nicht unmittelbare Ablehnung, unstete und verstörende Gedankengänge zur Folge. Sie führen zu einem Gleichgewichtsverlust, der das Denken immer weiter vorantreibt.« (Sturtevant) Durch die Wiederholung des Vorhandenen erreicht Sturtevant eine absolut verblüffende Wirkung, so dass man die Frage des amerikanischen Kunstkritikers Alan R. Solomon: »Is it a flag or is it a painting?« umwandeln könnte in: »Is it a Johns or is it a Sturtevant?« Die Künstlerin selbst sagt: »The brutal truth of this work is that it is not copy.«

Wie zuvor keine andere Künstlerin erkundet sie auf überaus reflektierende Weise das Verhältnis von Original und Originalität und stellt beide Begriffe zur Disposition. Sie insistiert mit ihren Arbeiten auf der Frage nach der Aura eines Kunstwerkes, der Autorschaft, der genuinen Schöpferrolle, aber auch nach dem wahren Wert von Kunst im Kunstbetrieb.

Andy Warhol hat die Arbeit von Sturtevant von Anfang an unterstützt. Bereits 1964 stellte er der Künstlerin das originale Sieb seiner berühmten Serie »Flowers« zur Verfügung, und Sturtevant fertigt noch im gleichen Jahr ihre »Flowers«.Warhol soll in einem Interview, nach seiner künstlerischen Technik befragt, in seiner unnachahmlichen Art geantwortet haben: »Oh, I don’t know. Ask Elaine.«

Sind es zunächst die amerikanischen Künstler der Pop-Art wie Jasper Johns, Andy Warhol, Claes Oldenburg oder Roy Lichtenstein, so wendet sie sich ab 1967 Marcel Duchamp und Joseph Beuys zu, um sich schließlich Anfang der 80er Jahre bis heute einer jüngeren Künstlergeneration wie Anselm Kiefer, Felix Gonzalez-Torres, Robert Gober oder Paul McCarthy zu widmen. Hierbei ist es bemerkenswert, dass Sturtevant zu einem frühen Zeitpunkt jeweils solche Arbeiten ausgewählt hat, die aus unserer heutigen Sicht zu »Ikonen« der jüngeren Kunstgeschichte geworden sind. Ihr Werk schließt sowohl Malerei, Skulptur, Zeichnung, Fotografie und Film als auch raumbezogene Installationen und Video mit ein.

In der Sammlung des MMK finden sich Hauptwerke der amerikanischen Pop-Art aus der ehemaligen Sammlung Karl Ströher. Nicht zuletzt deshalb ist das Museum für eine Präsentation der Werke von Sturtevant geradezu prädestiniert. Mit der Konzentration allein auf die Arbeiten von Sturtevant befragt das MMK die Institution Museum als Hort und Hüter des »Originals«. Die kuratorische Entscheidung, erstmals in der Geschichte des MMK das gesamte Haus einem künstlerischen OEuvre zu widmen, entspricht der Radikalität Sturtevants. Die Ausstellung wird in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin von Udo Kittelmann und Mario Kramer kuratiert. Ergänzt wird sie durch ein von Sturtevant gestaltetes Buch mit faksimilierten handschriftlichen Notationen, einem Interview mit John Waters, Textbeiträgen von Bernard Blistène, Udo Kittelmann und Mario Kramer und den Abbildungen der Werke der Ausstellung. Als zweiter Band wird von der Berliner Kunsthistorikerin Lena Maculan in Zusammenarbeit mit dem MMK ein Catalogue Raisonné zu den Gemälden, Skulpturen, Film- und Videoarbeiten von Sturtevant herausgegeben, eingeleitet durch ein Interview mit Gerd de Vries.

Ausstellung und Katalog werden unterstützt durch die Freunde des Museums für Moderne Kunst e.V.,die Hessische Kulturstiftung und die Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung.

Pressetext

Elaine Sturtevant: The Brutal Truth