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If you are manipulated, manipulate back!
Strategien zeitgenössischer KünstlerInnen aus Ungarn
28.10.2018 - 16.12.2018

Eröffnung am Sonntag, 28. Oktober 2018, 16 Uhr
Es sprechen:
Gudrun Gorka-Reimus, Kunstverein KunstHaus Potsdam e.V.
Patrick Urwyler, Kurator, Chimera-Project, Budapest

Ausgangspunkt für die Ausstellung “If you are manipulated, manipulate back” ist das Zitat von Gyula Pauer aus seinem Manifest aus dem Jahre 1972. Das von ihm konzeptuell mitgeprägte Erbe der ungarischen Kunst der Jahre 1960-80 steht aktuell unter dem Schlagwort “Ungarische Neo- Avantgarde” international im Fokus. Die Ausstellung verschiebt diesen Fokus bewusst und rückt exemplarisch konzeptuelle Positionen einer jungen ungarischen Künstlergeneration ins Blickfeld.

Auf Einladung des Kunstvereins KunstHaus Potsdam präsentiert der Schweizer Kurator und Kunsthistoriker Patrick Urwyler eine kunsthistorische Ergänzung zu dieser aktuellen Wahrnehmung und regt dazu an, die zeitgenössische Kunst Ungarns als Ganzes besser verorten zu können. Urwyler lebt seit mehr als acht Jahren in Budapest, wo er sich zusammen mit der ungarischen Soziologin Boglárka Mittich und seiner Programmgalerie «Chimera-Project» darum bemüht, die ungarische Kunst international bekannter zu machen.

Das Zitat von Gyula Pauer erhält mit der Ausstellung “If you are manipulated, manipulate back” eine neue Lesbarkeit, denn Manipulation steht im aktuellen Zeitgeschehen hoch im Kurs. Den ursprünglich kunstimmanenten Diskurs weitete Pauer bereits in seinem zweiten Manifest (1972) aus. Patrick Urwyler lässt jetzt erneut die Komplexität und Subtilität von Manipulationen isoliert im Ausstellungsraum durch die künstlerischen Positionen von Mark Fridvalszki, Gábor Koós, Lőrinc Borsos, und Eszter Szabó ganz grundsätzlich verhandeln.

Die vier künstlerischen Positionen beschäftigen sich mit manipulativen Strategien und referieren dabei auf unterschiedliche Kontexte, um sich so der vielschichtigen Thematik mit künstlerischen Mitteln anzunähern: Mark Fridvalszki verhandelt in den gezeigten Arbeiten die Materialität des Analogen und Digitalen und gibt damit zugleich Einblick in ein komplexes Referenzsystem, das von geologischen Konzepten, über den Modernismus bis hin zur heutigen allumfassenden Digitalisierung reicht. Gábor Koós beschäftigt sich über das Medium der Druckgrafik intensiv mit dem Verhältnis von Original und Kopie. Seine präzise gefertigten Reproduktionen von alltäglichen Objekten und Situationen entwickeln eine Eigenständigkeit und einen Mehrwert, die dem Stellenwert und der Qualität einer Kopie zuwiderlaufen scheinen. Eszter Szabó erforscht in ihren Videoarbeiten Manifestationen gesellschaftlicher Muster und Denkweisen. Verletzlichkeit, Trägheit, Müdigkeit, Unbekümmertheit sind allgemeine Themen, die in ihren Arbeiten in verschiedenen Kontexten wiederkehren. In ihrer neusten Videoinstallation thematisiert sie das Rollenbild der Frau in Kinderbüchern und zeigt in abstrakten Bildern Momente der Befreiung und Auflösung des tradierten Klischees einer “gut domestizierten” Frau. Das Künstlerpaar Lőrinc Borsos präsentiert Arbeiten, die sich ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem Thema der Zensur widmen. Die für ihr Schaffen kennzeichnende Verwendung der Farbe Schwarz entspricht einer künstlerischen Strategie, die Zensur als Thema unterschiedlich kontextualisiert, sich deren Charakteristika aneignet und jüngst gar selbst davon betroffen wurde.