artists & participants

Leo AdlerFritz AignerChristian Ludwig AtterseeRene BeehJoseph BeuysMaria BichlerBernhard BlumeGerhard BrandlHeinz CibulkaWolfram DachauerWallace Edwin DancyClemens DenkGerhild DiesnerClaudia DworschakMadame d´OraAlbin Egger-LienzRoza Ei-HassanVALIE EXPORTAnton FaistauerGerhart FranklJudith GattermayrPhilippe GerlachBruno GironcoliMagdalena GlasDorothee GolzAlbert Paris GüterslohJulia GutwenigerRobert F. HammerstielOliver HanglPeter HauenschildJulia HinterbergerAlfred HofkunstEdgar HonetschlägerUrsula HübnerSabine JelinekLeo KandlLinde KlementHanns KobingerPaul KranzlerVeronika KrennAuguste KronheimPeter KubelkaHans KupelwieserKatharina LacknerMaria LassnigJakob LechnerFranz LeschanzRoy LichtensteinBernhard LuginbühlAnton Lutz Markus Hanakam & Roswitha SchullerSusanne MaschekPaula May-PillesmüllerElfriede MejcharVesela MihaylovaAlois MosbacherStefanie MoshammerOtto MuehlHermann NitschMax OppenheimerFritz PanzerMarga PerssonDaniela PesendorferGeorg PinteritschLisl Ponger PRINZGAU/podgorschekEszter RadakAdele RazköviMarion ReisingerPaul RennerFrenzi RiglingGeorg RitterAlbert RitzbergerDieter RothRosa SchererPatrick SchmidGeorg SchobertGabriele SchöneOktavia SchreinerKarl SchuchRudolf SchwarzkoglerFritz SchweglerRoman SignerFritz SimakDaniel SpoerriMilos StevicRoland ToporAnton TrofymovMarie-Louise von MotesiczkyEdward WestonAlfred WickenburgFriedemann WiethölterAngelika WindeggerDavid Aaron WittinghoferDie Wursthaberer 

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Riesen-Erdäpfel als Skulptur, Käse und Schokolade an die Wand gehängt, eine Küche aus Draht als plastische Zeichnung, saftige Früchte, üppige Speisereste, tanzende Würste, Rezepte zum Kunstwerk erhoben und gemeinsames Essen und Kochen als neue Kunstform – Essen aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Essen ist Lebensnotwendigkeit, es verbindet den Menschen auf elementarste Weise mit der Welt, es vergegenwärtigt den ewigen Zyklus von Leben und Tod. Essen ist aber auch als sozial normierte und kulturell geprägte Handlung fundamentaler Bestandteil gesellschaftspolitischer Prozesse wie religiöser Riten. Als Teil unserer kulturellen Identität ist Essen daher seit jeher eine Inspirationsquelle für kreatives Schaffen.

Die virtuose malerische Wiedergabe von Essbarem war seit dem 16. Jahrhundert dem Stillleben vorbehalten. Saftige Früchte, pralles Gemüse und üppige zum Verzehr angerichtete Speisen dienen aber nicht nur dem Augenschmaus, sondern symbolisieren im metaphorischen Sinn Körperlichkeit und Leben, Vergänglichkeit und Tod. Die diesem Verfall innewohnende Schönheit verdeutlichen die Fotografien toter Schweine von Madame d’Ora ebenso wie die Abfallbilder von Frenzi Rigling. Seit den 1960er Jahren ist Essen nicht mehr nur Darstellungsgegenstand, sondern wird zum Kunstmittel, seine Verarbeitung und Bearbeitung zum künstlerischen Prozess und seine Zubereitung zur Kunstaktion. Auf seine Symbolkraft im christlich religiösen und im mythologischen Kontext verweist der Wiener Aktionismus, während VALIE EXPORT in ihren Aktionen Fragen nach Fruchtbarkeit, Geburt und Vergänglichkeit in den Mittelpunkt rückt. Als eigene Kunstrichtung postuliert die Eat Art die „Einheit von Kunst und Leben“. Daniel Spoerris Fallenbilder – abgegessene Tische als Tafelbild an die Wand gehängt – visualisieren diesen Schnittpunkt zwischen Natur und Kultur. Dieter Roth verdeutlicht das Prozesshafte allen Seins, indem er Essbares der Verwesung und Zersetzung preisgibt. Für Peter Kubelka ist „das Kochen nicht nur ein bildender Prozess wie andere Künste, sondern beides: Unmittelbares Eingreifen in die Natur und künstlerisch bildender Prozess“. Aktuell werfen Künstlerinnen und Künstler Fragen zum Essverhalten der Gegenwart auf, das von zunehmender Entfremdung des Menschen vom Ursprung seiner Nahrungsressourcen bestimmt ist. Robert F. Hammerstiel entlarvt in seinen Plastikstillleben Ersatzwelten und Wunschprojektionen der Werbung, welche die Suche der Menschen nach einer heilen Welt bedienen und Lisl Ponger thematisiert Termingeschäfte und die Spekulation mit Nahrungsmitteln als Bedrohung der Lebenszukunft vieler Menschen.

Essen ist seit jeher Manifestation kultureller Zugehörigkeit, die ihren Ausdruck in bestimmten, für eine Region typischen Speisen findet, wie etwa der Linzer Torte. Essen vermag aber auch im Gegenzug als Katalysator für die Integration fremder kultureller Einflüsse dienen, wie die Geschichte der Bosna und die Videoporträts von Linzer Märkten anschaulich illustrieren.

Die Ausstellung zeigt rund 100 Werke von 1900 bis heute aus den Beständen des LENTOS Kunstmuseum, des NORDICO Stadtmuseum, aus zahlreichen Galerien und Privatsammlungen sowie Werke, die in Zusammenarbeit mit der Kunstuniversität Linz (Bereich Malerei und Grafik, Klasse Ursula Hübner) entstanden sind. Diese Bandbreite künstlerischer Positionen verdeutlicht die beständige Relevanz der Grundsubstanz Nahrung als Verbindungsglied von Kunst und Leben.

Kuratorin: Sabine Fellner Ausstellungsarchitektur: Clemens Bauder