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Nachdem die Malerei in den großen Ausstellungen der vergangenen 2 ½ Jahrzehnte eher stiefmütterlich behandelt wurde, feiert sie seit einiger Zeit ein glanzvolles Comeback. Auch wenn ihr durch großformatige Fotografie und Wand füllende Beamerprojektionen zweifellos Konkurrenz erwachsen ist und sie nicht mehr die unangefochtene ästhetische Meinungsführerschaft in den Bildkünsten besitzt, so verfügt sie doch allem Anschein nach über eine Vitalität, die uns heute deutlicher bewusst ist als noch vor wenigen Jahren. Malerei kann einen Ausdrucksreichtum entwickeln, der anderen Künsten verschlossen bleibt, ein Ausdrucksreichtum, der sich exemplarisch im Werk des spanischen Malers Luis Gordillo (geb. 1934 in Sevilla) dokumentiert. Ausgehend vom Informel spannt sich der Bogen seiner Werkentwicklung über Pop Art-Bezüge bis zu einer komplexen Thematisierung von Bildlichkeit, die jedem Purismus entsagt. Statt im Sinne etwa des „Radical Painting“ auf die unhinterfragbare und unverwechselbare Evidenz des Kunstwerks zu setzen, leben seine Gemälde von ihrer formalen Komplexität und von ihrer medialen Heterogenität. Seine Bilder sind wuchernd und ausgreifend, subversiv und ironisch und karikieren geradezu das Pathos des Einzigartigen.

Gerade dadurch hat sich Gordillo aber als eine wichtige Figur der Malereigeschichte nicht nur in Spanien profilieren können, eine Tatsache, der auch die 2007 erfolgte Verleihung des Premio Velazquez, des wichtigsten Kunstpreises im spanischsprachigen Raum, an Luis Gordillo Rechnung trägt. Mit gutem Grund dürfen wir seinen Namen daher im gleichen Atemzug mit dem von Tapiés und Saura nennen, nur ist er in Zentraleuropa weniger bekannt. Trotz Ausstellungen in Essen und München ist Gordillo in Deutschland noch eine zu wenig bekannte Größe, ein Manko, das die groß angelegte Werkschau im Kunstmuseum Bonn aufzuheben sucht. Sie wird Luis Gordillo auf gleicher Augenhöhe mit den Meistern der Malerei im deutschsprachigen Raum, mit Künstlern wie Gerhard Richter, Georg Baselitz und Sigmar Polke zeigen und man darf gespannt sein auf die spannungsvollen Dialoge, die sich zwischen den Werken entwickeln werden.

Nicht weniger spannend wird die Frage sein, wie sich die Arbeiten in dem gemildert nördlichen Licht des Rheinlands, fern von Spanien, präsentieren werden. Die Architektur des Kunstmuseums verfügt über eine glänzende Lichtregie, die den Werken einen ähnlich spektakulären Auftritt ermöglichen wird wie in der Reina Sofia in Madrid. Dort begann die Ausstellungstournee quasi mit einem Heimspiel und findet nun, in modifizierter Form, im Kunstmuseum Bonn ihre Fortsetzung. Gezeigt werden knapp 100 Gemälde und Zeichnungen, die zwischen den späten Fünfzigerjahren und dem Jahr 2007 entstanden sind. Präsentiert werden sie im großen Wechselausstellungsbereich des Kunstmuseums, wo sie in einzelnen Räumen zu komplexen Environments zusammengeführt werden. Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog zum Preis von 35 €.

Die Ausstellung „Luis Gordillo. Iceberg Tropical. Arbeiten 1960-2007“ wurde in Spanien vom Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia organisiert und wird für die Präsentation in Bonn vom Kunstmuseum Bonn und von SEACEX koproduziert und gemeinsam organisiert. Sie erhielt die Unterstützung des Spanischen Außenministeriums, des Spanischen Kultusministeriums sowie der Spanischen Botschaft in Deutschland. Die Ausstellung wurde unterstützt von Deutsche Post World Net.

Eröffnung: 13. März 2008, 20 Uhr

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Luis Gordillo
ICEBERG TROPICAL
Arbeiten 1960 – 2007