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Jena Kultur | Städtische Museen Jena, Stadtmuseum & Kunstsammlung Jena | Markt 7
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Vernissage: Freitag, 5. Mai 2017, 20 Uhr

Roger Ballen wird 1950 in New York geboren, studiert Psychologie, Geologie und Bergbau und siedelt 1982 nach Johannesburg in Südafrika über. Noch in den USA publiziert er 1979 sein erstes Fotobuch mit dem Titel „Boyhood“ mit Aufnahmen heranwachsender Jungen aus Europa, Asien und Nordamerika. Mitte der 1980er-Jahre fotografiert Ballen die „Dorps“, die alten Dörfer der Weißen in Südafrika, die von einer Geschichte künden, die so überlebt ist wie deren Einwohner. Mit dieser Folge findet er nicht nur zum quadratischen Format, sondern auch zu jener spezifischen Form der psychologischen Reportage, die seinem Werk eine unverwechselbare Ästhetik und Form gibt. Zunächst überwiegt das Dokumentarische, die äußere Erscheinung der Menschen, Dinge und Situationen. Erst nach und nach werden immaterielle Spuren wichtiger, gefundene und erfundene gleichermaßen, jene, die offenkundig sind und jene, die mit Inszenierungen arrangiert werden. Ballens Bildräume gleichen inneren Landschaften, die so unlogisch wie Träume, das Dasein seiner Protagonisten umspielen und den „Irrsinn“ menschlicher Existenz in Südafrika ausmalen. Das Werk entsteht in Schwarzweiß: weiß wie Papier, schwarz wie eine Notation in Tinte. Das Grau ist das Ergebnis ihrer Vermischung.

Die umfangreichste Folge der Ausstellung, Asylum of the Birds, handelt in den Randbezirken von Johannesburg, an einem Ort, wo Ausgegrenzte leben und Schönheit und Hässlichkeit, Gut und Böse ineinander verschwimmen. Umschwirrt von tausenden Vögeln gleicht das Areal einem Universum, das den Blick auf existenzielle Abgründe so bildgewaltig offen legt, als hätte hier Samuel Beckett Goyas Caprichos inszeniert. Hier ist ein Ende ohne Ende, eine launige Welt voller Untiefen und so authentisch wie vieles, das zu unserem Leben gehört. Vieles ist absurd, der Humor ist zum Schreien und so Ernst wie das Leben, das sich hier dem Betrachter entbietet. Nietzsches Diktum vom Menschen, der so tief leidet, dass er deshalb das Lachen erfinden musste, scheint hier in unnachahmlicher Weise umgesetzt.

Roger Ballen nutzt seinen Fotoapparat als Teleskop, Mikroskop und Spiegel gleichermaßen und er gebraucht ihn mit jener unbarmherzigen Strenge, mit der ein Geologe in den Sedimenten nach Antworten sucht. Vielleicht liegt gerade hier, im Verborgenen, in den Tiefen, der größere Teil jener Wirklichkeit, die unser Sein erklärt. Die Frage ist nur, ob wir für diese Erklärungen bereit sind und sie auch ertragen.

Ballens Interesse gilt jenen, die in randständiger Existenz oft von Armut, Hunger und Krankheit geprägt leben. Diese Kontakte pflegt Ballen oft über Jahre und er ist dabei nicht allein Fotograf, sondern auch Sozialarbeiter, Therapeut, Anwalt und Priester. Leben entbietet sich hier in schockierenden aber auch poetischen Grenzbereichen. Für Roger Ballen ist Anderssein ein Reflex auf den Zustand der Welt, den er nicht politisch hinterfragt, aber mit seinen Bildern herausstellt.

In der Ausstellung werden 67 Fotos und 5 Videos gezeigt. Die Fotos wurden aus folgenden Serien ausgewählt: I Fink U Freeky / Outland / Shadow Chamber / Asylum of the Birds / The Theatre of Apparitions / Boarding House. Das Video I Fink U Freeky zählt zu den erfolgreichsten Musikvideos der vergangenen Jahre und ist in Kooperation mit der südafrikanischen Rap-Rave-Band Die Antwoord entstanden.- 13.08.2017 Roger Ballen. Ballenesque – a Retrospective