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Rudolf Polanszky: Eidola (Hauptraum)
09.02.2018 - 22.04.2018
Pressekonferenz: Donnerstag, 08.02.2018 10:00 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 08.02.2018 19:00 Uhr

Rudolf Polanszky hat seit Mitte der 1970er-Jahre ein vielschichtiges Werk geschaffen, das von konzeptuellen Film-, Video- und Fotoarbeiten über Zeichnung und Malerei bis zu skulpturalen Objekten und Assemblagen reicht. Sein Werk ist geprägt durch die beabsichtigte und durchaus methodische Einbindung des Zufälligen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Verwendung von Materialien, die Gebrauchsspuren aufweisen oder der Witterung ausgesetzt waren, da sie gewissermaßen die Aufgabe der Kontrolle über die Formgebung und die Unterwanderung des künstlerisch-konstruktiven Gestaltungswillens fördern. Die Faszination für wissenschaftliche Erklärungsmodelle gepaart mit der Skepsis gegenüber einer vermeintlich unerschütterlichen Logik, die Welt zu begreifen, haben den Künstler selbst diverse Verstehensschemata entwickeln lassen. Diese folgen der Nicht-Sinnstiftung als Leitidee und nehmen in intuitiv konstruierten Objekten Gestalt an, die er als provisorische Verkörperungen gedanklich-sprachlicher Gebilde versteht. Polanszkys Interesse für Schein- und Trugbilder ist folglich groß. Dem Prinzip der Festlegung setzt er eine Art „hypothetische Einstweiligkeit“ entgegen, die die Veränderlichkeit von Strukturen ins Bewusstsein rufen soll.

Schon in frühen Super-8-Filmen wie Die Semiologie der Sinne (1976) und Der musikalische Affe (1979) thematisierte Polanszky Fragen von Erkennen/Erkenntnis, Täuschung und Illusion. Er experimentiert mit dem filmischen Aufbau, dekonstruiert ihn mit verschiedenen Versuchsanordnungen und manipuliert so seine Wahrnehmung. In seinen Sprungfedernzeichnungen und Sitzbildern, die Mitte der 1980er-Jahre entstanden, spielt die Geste des Zufälligen und Unkontrollierten sowohl in der Konzeption als bei der Gestaltung eine wichtige Rolle. Seit Mitte der 1990er-Jahre arbeitet Polanszky vornehmlich mit Materialien wie Plexiglas, Metall und Schaumstoff – in der Vorstellung des Künstlers „freie“, d.h. von ihrem ursprünglichen Zweck oder vorgesehenen Nutzen befreite Materialien. Mittels Überlagerung, Schichtung, Überschneidung, Verschachtelung oder Faltung erzeugt er daraus Wandobjekte und raumgreifende Skulpturen. Dieses non-lineare Verfahren des spontanen Zusammenfügens vorhandener Materialien und zufälliger Formen zu einer neuen Struktur bezeichnet der Künstler als „Ad-hoc-Synthese“. Diese vom Künstler bevorzugte Arbeitsmethode dient der Erschaffung von Modellen für „translineare“ bzw. „transaggregate“ Strukturen. In der Weiterentwicklung seiner Idee der translinearen Verfahren beschäftigt sich Polanszky in jüngster Zeit mit „Prim-Räumen“ in freien räumlich-skulpturalen Umsetzungen ansonsten linear wiedergegebener Primzahlen-Reihen sowie mit deren Pendants, den sogenannten „Negativräumen“.

Die Einzelausstellung Rudolf Polanszkys wird eine Auswahl an skulpturalen Werken und Wandarbeiten aus unterschiedlichen Werkgruppen präsentieren und damit einen Einblick in die Theorien des freigeistigen Künstlers bieten, die allesamt mit der Unbeständigkeit der Behauptung spielen – von den bereits genannten Prim-Räumen über hyperbolische Räume, Faltungen und Schleifen hin zu Konfusionsspiegelungen und Negativ-Positiv-Strukturen. Zeitgleich zur Ausstellung veröffentlicht Polanszky außerdem ein Künstlerbuch. Darin sind ausgewählte Schriften des Künstlers in Form von Faksimiles und Transkriptionen versammelt, die er aus der Sicht der Gegenwart einer kritischen Befragung unterzieht.

Das Ausstellungsprogramm wird vom Vorstand der Secession zusammengestellt.
Kuratorin: Jeanette Pacher