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Erinnerungen werden wach, an das stöbern auf dem Dachboden, in alten Koffern und Schränken, dem Anhalten, dem Anprobieren alter Kleider, dem posieren vor einer Scheibe, einem Spiegel. Die Kleider und Schuhe zu groß, unmodisch, stilistisch aus einer anderen Zeit, doch dies alles wurde ausgeglichen durch die Anmutung einer Dame, eines Herren von Welt. Und dann der Geruch, abgestanden, muffig. Doch die Stimmung war verwegen, geheimnisvoll, vielleicht ein wenig Ekel, vor allem aber war es ein großer Spaß. Diese Stimmung, diesen Spaß sieht man auch den Portraits und Stillleben von Thorsten Brinkmann an. Doch was heißt Portrait. Ein Gesicht ist nicht zu sehen. Statt dessen eine Kiste, ein Eimer, eine Tasche. Und auch der Rest entspricht nicht dem gewohnten Bilde. Da steckt ein Fuß statt in einem Schuh in einer alten Kühlbox, statt Hand sehen wir einen Lampenschirm, der Degen ist ein Spazierstock, der Arm ein alter, abgewetzter Koffer, nichts ist wie es sein sollte. Nur die Haltung, die ernsthafte und würdevolle Pose, sie entspricht klassischen Herscherportraits, und auch die Farbigkeit, das Licht, sie wirken wie das Genre altmeisterlich. Es ist ein schmaler Grad zwischen Verbalhornung, Humor, Absurdität und ernsthafter Auseinandersetzung mit kunsthistorischer Bezugnahme auf dem Thorsten Brinkmann mit seinen Werken balanciert.

Wenn schon in kunsthistorischen Kategorien wie Stillleben oder Portrait gesprochen wird, stellt sich zugleich die Frage in welche handwerkliche Kategorie eigentlich der 1972 in Herne geborene, heute in Hamburg lebende Künstler selber fällt. Ist der Fotograf oder Bildhauer, den längst sind seine Fotos über die selbst aus Fundstücken und Abfällen angefertigten Rahmen in den Raum hinein gewachsen. Seine Arbeiten haben die Wände, den Raum erobert. Tauchen als eigenständige Skulpturen, ebenso collagiert wie die Fotografien neben eben diesen auf. Zuletzt haben es ihm Säulen angetan. Der Raum wird gleichsam zur Bühne, ebenso inszeniert wie die Fotografien. Alles verbindet sich zu einem Gesamtbild. Schwitters läst grüßen. Er selbst, Thorsten Brinkmann, spricht in Bezug auf sein Studium bei Bernhard Blume an der Hochschule für Künste in Hamburg im Übrigen von Malerei. Es sei immer Malerei mit anderen Mitteln gewesen, in seinem Falle eben mit fotografischen Mitteln. Wie dem auch sei. Die opulenten Arbeiten faszinieren. Es gibt viel zu sehen.

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Thorsten Brinkmann
Kaffee dü Welt