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Alice Creischer, Kasia Fudakowski, Pakui Hardware
Preisträgerin und Stipendiatinnen der Günther-Peill-Stiftung

Kurator: Andreas Prinzing

11.10.2020 bis 24.01.2021

Eröffnung: Sonntag, 11. Oktober 2020, 12 Uhr

Der mit 20.000 € dotierte Preis der Günther-Peill-Stiftung wurde 2018 der Künstlerin Alice Creischer verlie- hen. Für die zweijährigen Förderstipendien der Günther-Peill-Stiftung über je insgesamt 18.000 € wurden die Künstlerin Kasia Fudakowski und das Künstlerduo Pakui Hardware aus einer Reihe vielversprechender Positionen gewählt. Die Stiftung würdigte alle drei Künstlerinnen über die finanzielle Förderung hinaus mit einer Ausstellung im Herbst 2020. Die Stipendiatinnen werden zusätzlich mit einer Begleitpublikation ge- fördert. Die Günther-Peill-Stiftung wurde von Carola Peill 1986 zu Ehren ihres Mannes Günther Peill ge- gründet. Seit 1987 vergibt die Günther-Peill-Stiftung zweijährige Stipendien.

Alice Creischer
Die Preisträgerin der Günther-Peill-Stiftung 2018, Alice Creischer, ist für eine künstlerische Praxis bekannt, die Installationen, Performances, Video, Malerei, Skulptur und andere Ausdrucksformen ebenso einschließt und miteinander kombiniert wie Texte und das Kuratieren von Ausstellungen.
Alice Creischers Arbeit ist stets geprägt durch ihre kritische Auseinandersetzung mit Geschichte und Ge- genwart des Kapitalismus und dessen weltweiten Auswirkungen auf soziale und ökologische Lebensbedin- gungen. Die Narrative und Inhalte, die sich aus ihren Überlegungen und Erfahrungen ergeben, überträgt sie in Installationen, die an begehbare Bühnenbilder erinnern. Darin werden Bilder zu Text und Texte zu Bildern, beispielsweise in Form von Stickereien und Collagen. Creischers Bildsprache speist sich aus unterschiedlichsten Formen von Alltags- und Populärkultur. In ihren Filmen finden sich Motive, die aus Mär- chen und Sagen bekannt sind, ihre filigranen Papierinstallationen erinnern an Klöppelarbeiten. Malereien, Zeichnungen und Collagen nehmen stilistische Elemente aus der Volkskunst auf und schaffen auf diesem Weg Zugänglichkeit zu den formal und inhaltlich komplexen Thematiken.
Alice Creischer (1960 in Gerolstein) lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist für kollaborative Arbeitsformen mit Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Kuratorinnen wie Andreas Siekmann, Christian von Borries, der Grupo de Arte Callejero, Amelie von Wulffen und Josef Strau bekannt.

Kasia Fudakowski
Kasia Fudakowskis vielfältige künstlerische Praxis umfasst Skulptur, Installation, Performance, Film und Buch. Häufig eignet sie sich Bildwelten, Formensprache und Wortschatz spezifischer Milieus an, die von der Immobilien- und Einrichtungsbranche bis zur Unterhaltungsindustrie reichen und modifiziert diese in ihren Arbeiten auf überraschende Weise. In von Stand-Up-Comedy inspirierten Performances reflektiert Fudakowski ihre künstlerische Identität im Spannungsfeld von persönlichen und gesellschaftlichen Erwar- tungen. Ausgehend von der eigenen Situation unterzieht sie das Beziehungsgefüge von Künstlerin, Be- trachterinnen, Objekt und Raum einer spielerischen, feministisch grundierten Institutionskritik. In den Arbeiten, die auf einem schmalen Grat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit balancieren, gilt der Sprache als Ausdrucksmittel besondere Aufmerksamkeit. So gelingt es Kasia Fudakowski, Unzulänglich- keiten, Zweifel und das Scheitern von Kommunikation als integrale Bestandteile künstlerischer Arbeit pro- duktiv zu machen. Kasia Fudakowski (1985 in London) lebt und arbeitet in Berlin.

Pakui Hardware
Das Künstlerduo Pakui Hardware schafft skulpturale Versuchsanordnungen an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft, die um die Beziehungen zwischen Mensch, Natur und Produkt kreisen. Anhand von multimedialen Installationen und Objekten thematisieren sie die technologische Transformation unserer Realität. Organische und anorganische Elemente verbinden sich zu ungewöhnlichen Konstellationen, die Assoziationen an Laborapparaturen oder Szenarien eines Science-Fiction-Films wecken. Ein hybrides Materialspektrum, das bis zum Einsatz von Luftbefeuchtern oder Mikroorganismen reicht, betont die sinnli- chen Aspekte von Skulptur und hinterfragt kategorische Trennungen zwischen Körper und Umwelt, Natürli- chem und Künstlichem.
Die häufig prozesshaften Arbeiten von Pakui Hardware verweisen auf die mit der Digitalisierung vieler Le- bensbereiche, synthetischer Biologie, Robotik und Körperdesign einhergehenden Versprechen, Ängste und Gefahren. Wie verändert sich das Verhältnis zu Körper und Technik durch Biometrie und die sukzessive Übernahme von Alltagshandlungen durch intelligente Maschinen?
Pakui Hardware (Neringa Černiauskaitė, 1984 in Klaipeda, und Ugnius Gelguda, 1977 in Vilnius, Lithau- en) lebt und arbeitet in Berlin und Vilnius.