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Ich bin auch eine Zeichnung behauptet Ante Timmermans selbstbewusst in einer 2009 entstandenen Zeichnung.In prägnanter Werbetypographie gesetzt gibt das anmassende Statement vor, zugleich Text und Bild zu sein. Darin klingt ein bewusstes Überschreiten von klassischen Gattungsgrenzen in der Kunst an.

Der 1976 im belgischen Ninove geborene und heute in Gent lebende Ante Timmermans gilt spätestens seit seinem eindrücklichen Beitrag zur Manifesta 9 als einer der spannendsten Zeichner der jüngeren Generation. Seine Installation Makea Molehill out of a Mountain (of Work), 2012, basiert zwar auf einer zeichnerischen Arbeit, wird jedoch räumlich und performativ entscheidend erweitert, zum einen durch das Auslegen unzähliger Papierarbeiten in Gestellen und Vitrinen, zum andern durch die Präsenz des Künstlers als Werktätiger während der Eröffnungstage.

Was ist eine Zeichnung? Wie verortet sie sich im Kontext zeitgenössischer Kunst und was vermag sie im Umfeld multimedialer Kommunikation noch zu leisten? Die Zeichnung halte mehr fest als die Hervorbringungen der Natur, hatte Leonardo da Vinci festgestellt, es ginge um ein Erfassen und Durchdringen von Welt, d.h. um einen Prozess des Wahrnehmens und des Denkens, der seinen unmittelbarsten Ausdruck in der Zeichnung findet. Und genau an diesem grundlegenden Anspruch, so umfassend wie anmassend, scheint sich Timmermans’ Schaffen zu orientieren. Diesen künstlerischen Ansatz hat er zu einem zeichnerischen Universum ausformuliert. Darunter finden sich kleinformatige Alltagsbeobachtungen, gezeichnete Systemanalysen, aufwendige Konstruktionszeichnungen, mit finaler Perfektion ausgearbeitete Landschaftsbilder oder eindrückliche Visionen urbaner Räume, die zwischen Disneyfication und Gotham City-Ästhetik zu oszillieren scheinen.

Die Stadt als Metapher sowie der Schaffensprozess zwischen Routine und Vision liegen Timmermans’ Werk zugrunde. Mindmaps und Mindscapes, Timmermans Kartographien und Topographien des Denkens in ihren künstlerischen Ausformungen,sind im Grunde poetische Reflexionen über die Welt, erfasst im ebenso flüchtigen wie zeitlosen Medium der Zeichnung. Und trotz der zuweilen düsteren Visionen gelingt es AnteTimmermans auf humorvolle Weise, Vertrautes wie Absurdesvon fiktiven wie realen Welten in seinen Werken festzuhalten – gleichsam als ‹desillusionierter Traum eines urbanen Poeten› (Julie Enckell Julliard).

Die Ausstellung Ante Post Ante ist Ante Timmermans ersteumfassende Werkschau in einem Schweizer Museum.

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Ante Timmermans
Ante Post Ante
Kurator: Konrad Bitterli