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Daniel Marzona freut sich mit Reflection, die erste Ausstellung von Axel Hütte in der Galerie zu präsentieren.

Seit Ende der 1990er Jahre hat Axel Hütte kontinuierlich Wege gesucht, das fotografische Bild wieder fremd werden zu lassen. Wie gelingt es, einen gleichsam widerstrebenden Impuls zu provozieren, mit fotografischen Aufnahmen zu befremden, die gemessen an unseren Bildgewohnheiten nicht unrealistisch erscheinen, aber dennoch irritieren? Hütte hat gezielt periphere, oft unspektakuläre Orte fotografiert – menschenleere, werbefreie Räume – und so nicht das Sujet, sondern das Bild und seine ikonischen Strukturen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt. Dies zeigt sich bereits in seinem frühen Blick auf den städtischen Raum (U-Bahnstationen, Unterführungen, Gebäudezugänge), der mit der Mehrdeutigkeit perspektivischer Ansichten operiert und dabei die Tiefe des Raumes mit der Undurchdringlichkeit der fotografischen Oberfläche verschränkt. Das Interesse am Bildgefüge prägt auch die Landschaften der 1990er Jahre, radikal fragmentierte Ansichten, in denen „Landschaft“ strenggenommen nur noch als Referenz aufgerufen wird. Auch Hüttes spätere phantasmatische Alpendarstellungen fragmentieren das Motiv Landschaft und führen zu einer Distanznahme, wenn auch mit gänzlich anderen Mitteln als die früheren Arbeiten. War der gleichmäßig helle Himmel in den frühen Landschaften lediglich ein neutraler Hintergrund und bildete damit eine Leerstelle, bestimmen dichter Nebel oder tiefhängende Wolken in den Bergansichten die Szene und beschränken unseren Blick in die Tiefe.

In den seit 1997 entstehenden Nachtaufnahmen verunklaren Lichtreflexe und Spiegelungen das Bild, was zu komplexen Überlagerungen von Innen- und Außenräumen führt. In der Spiegelung auf der Glasfassade in der Arbeit „Berlin, NG“ (2001-2016) werden die Lichtbänder des Innern gleichsam in den Außenraum fortgesetzt. In „Linz, Austria“ (2015) ist es zudem schwer, einen Unterschied zwischen den Leuchtröhren am linken Bildrand und ihren Spiegelungen auszumachen. Und auch dass die Lichtreflexe auf der großflächigen Deckenuntersicht von der Donau herrühren, erschließt sich erst nach einem gleichsam forensischen Studium der bildräumlichen Anordnung, die den Fluss auslässt. Die unmittelbare Gewissheit des Gesehenen wird auf diese Weise untergraben und dem Zweifel ausgesetzt. Auch die Aufnahmen von Innenräumen in Venedig aus dem Jahr 2012 zeigen vertrackte räumliche Verhältnisse mit ihren Blicken durch Türen, in Spiegel sowie auf Fenster, durch die Tageslicht eindringt, um von Decken, Wänden und Böden in ganz unterschiedlicher Weise reflektiert zu werden. Proteusartig sich verändernd wird das Licht hier in allen seinen Qualitäten vorgeführt: von einem Medium, das feinste Differenzen sichtbar macht, bis hin zur Blendung im gleißenden Gegenlicht. Einige der Aufnahmen aus Venedig hat Hütte auf Spiegelglas drucken lassen, was diese Bilder noch instabiler werden lässt. Durch die Spiegel wird in ihnen die Wirklichkeit gleichsam multipliziert.

Axel Hüttes Fotografien entstehen auf klassische analoge Weise. Zwar werden die Aufnahmen gescannt und für den Druck digital nachbearbeitet, doch beschränken sich diese Eingriffe auf die Helligkeitswerte und Kontraste der Darstellung, ohne das fotografische Abbild in seiner Struktur anzugreifen. Für die erste Ausstellung bei Daniel Marzona hat der Künstler ausschließlich Architekturbilder gewählt, nicht zuletzt als Reaktion auf die Galerieräume, an deren Decke Stuckreste auf ihre Geschichte verweisen und die weißen Wände der Galerie so zu einem Erinnerungsraum für Hüttes Werke werden lassen.

Axel Hütte (geb. 1951 in Essen) studierte Fotografie bei Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf (1973-80). Er hat an zahlreichen Galerie- und Museumsausstellungen sowie Biennalen und Festivals teilgenommen; ...