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Originelle, überraschende Werke junger Filmemacher und Debütanten mit solchen unangepasster, eigenwilliger Filmkünstler jeden Alters zu kontrastieren, die außerhalb bewährter Formate und ohne vorgegebenes Rezept entstehen, das ist auch im Forum des Jahres 2015 Programm. Von existenziellen Krisen, Selbstvergewisserung und Neuorientierung handeln zahlreiche der diesjährigen Filme. Auch die Besinnung auf klassische Motive der Film-, Kunst- und Literaturgeschichte, oft in radikalen Neuinterpretationen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm. Einen geografischen Schwerpunkt bildet das junge lateinamerikanische Kino. Eröffnet wird das diesjährige Programm mit dem bisher wohl anarchischsten, entfesseltesten Film des Kanadiers Guy Maddin. THE FORBIDDEN ROOM kommt als nicht enden wollender, scheinbar chaotischer, aber doch stets bedeutungsvoller erotisch-klaustrophobischer Alptraum daher. Die zahllosen fantastischen Handlungsstränge des Films sind inspiriert von realen, eingebildeten und fotografischen Erinnerungen an verschollene Werke der Stummfilmzeit, denen auch die Ästhetik halbzerstörter viragierter Filmkopien fabelhaft huldigt. Forum Expanded feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Was 2006 mit elf Arbeiten begann, ist 2015 mit über 40 Arbeiten fester Bestandteil der Berlinale. Nicht nur die Gruppenausstellung, sondern auch das komplette Filmprogramm, Performances und Diskussionsveranstaltungen finden dieses Jahr in den Räumen der Akademie der Künste im Hanseatenweg statt. Damit wird eine historische Verbindung der Berlinale zu diesem Ort wieder aufgenommen: Bis zum Jahr 1999 gehörte die Akademie bereits zu den Spielorten des Forums, das 2015 ebenfalls wieder mit Filmvorführungen dort vertreten sein wird. So wird sie zu einem Resonanzraum für das Zusammenspiel von Forum und Forum Expanded.

Der Titel des diesjährigen Programms von Forum Expanded lautet "To the Sound of the Closing Door": Wenn eine Tür sich schließt, muss das nicht zwangsläufig das Ende einer Möglichkeit bedeuten. Die ausgewählten Arbeiten stellen diese Endgültigkeit in Frage, indem sie dem Nachhall der zugeschlagenen Tür nachspüren. Sie fragen, in welchen Momenten neue Projekte und Utopien entstehen können und wie historische Brüche und Umwälzungen Visionen von und Erwartungen an die Zukunft generieren. Die Bewegungen und Narrative, die das Schließen, Öffnen und Durchschreiten dieser metaphorischen Türen erzeugen, beinhalten aber auch immer die Möglichkeit des Ausschlusses und des Scheiterns der neuen Projekte – doch woran messen sich Erfolg und Misserfolg? Am 4. Febraur laden wir zur Eröffnung. Mit dabei sind u.a. Heinz Emigholz, Ala Younis, Constanze Ruhm, CHEAP, Lara Khaldi, Yazan Khalili und viele andere. Selbstredend bleibt auch das Arsenal ein wichtiger Spielort – wie in den Vorjahren mit einer Foyergestaltung durch die Prinzessinnengärten und b_books, ebenso wie der Marshall McLuhan Salon der Botschaft von Kanada.

Das 45. Forum zeigt insgesamt 43 Filme im Hauptprogramm (davon 31 als Welt- und 10 als internationale Premieresowie eine Reihe Special Screenings, die sich historischen Filmen und Wiederentdeckungen ebenso widmet wie der Auseinandersetzung mit Filmen und Filmgeschichte: Neben sogenannten B-Scheme Filmen, die im Südafrika der Apartheid für ein schwarzes Publikum entstanden, zeigen wir zwei Filme der Reihe "Asynchron. Dokumentar- und Experimentalfilme zum Holocaust aus der Sammlung des Arsenal", drei Werke des Japaners Kon Ichikawa aus den Jahren 1958- 63, den mexikanische Film noir Klassiker CUATRO CONTRA EL MUNDO (FOUR AGAINST THE WORLD), Leo Hurwitz’ STRANGE VICTORY aus dem Jahr 1948, der an Aktualität nichts eingebüßt hat, sowie zwei aktuelle Filme, die sich mit der Rezeption von Film und Filmgeschichte beschäftigen: CINEMA: A PUBLIC AFFAIR von Tatiana Brandrup und WAS HEISST HIER ENDE? DER FILMKRITIKER MICHAEL ALTHEN von Dominik Graf.