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Bruce Nauman. Modelle

04.09.2020 – 13.12.2020
Kuratiert von Dieter Schwarz

Bruce Nauman denkt in Modellen – in der Möglichkeitsform –, und deshalb nimmt die Zeichnung in seinem Werk und in dieser Ausstellung eine zentrale Funktion ein. Zeichnungen veranschaulichen das Wesentliche, sie verweisen auf Denkbares. Zeichnung wie Modelle sind stilistisch ungebunden und eröffnen Räume für die Vorstellung.

Ende der 1970er Jahre entwarf Nauman Modelle für unterirdische Räume. Circle ist das erste Modell; der Tunnelbau hätte einen Durchmesser von bis zu 200 Metern. Da die Realisierung außer Frage stand, sollte das Modell dazu anregen, sich den Raum zu denken. Es zeigt die äußere Form; wie würde der Raum sich von innen darstellen, und wie würde man sich darin verhalten? Zum Kreis kamen ein Dreieck und ein Quadrat; erstmals sind die drei geometrischen Arbeiten hier zusammen ausgestellt. Das vierte Modell, Equilateral Triangle, besteht aus drei sternförmig angeordneten Achsen, deren Kreuzungspunkt sie in verschieden lange Stücke teilt. Nauman beschäftigte die unterschiedliche psychologische Wirkung der Formen; das Dreieck schafft einen unbehaglichen Raum, während Kreis und Quadrat Sicherheit suggerieren.

Die Modelle sind in Eisen gegossen und wirken wie definitive Skulpturen. Doch Nauman sucht nicht die Stabilität sondern das Potential des Modells; er interessiert sich für die Zweideutigkeit der Erscheinung, für den Zwischenraum, der sich zwischen Realität und Vorstellung auftut.

Darum geht es auch in den Arbeiten mit Händen, die in der Ausstellung das intime Gegenstück zu den großen Modellen bilden. Hände sind nicht ausführendes Instrument allein, sie sind zugleich Gegenstand der Handlung – im Klavierstück, das aus Fingerübungen hervorgeht, oder in den Handpaaren, die in Verschränkungen gezeigt werden. Auch diese Werke sind Modelle für die Entzweiung des Selbstverständlichen.

Dieter Schwarz