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Der Titel der Ausstellung „Dat schall glücken“ verweist auf ein Zitat des dänischen Königs Christian IV. als er Glückstadt Anfang des 17. Jahrhunderts gründete. Heute, fast 400 Jahre später, gehört Glückstadt mit 12000 Einwohnern zu den Kleinstädten in Schleswig-Holstein. Den Focus auf diesen Mikrokosmos zu richten, bedeutet, sich in einem relativ überschaubaren Rahmen der Wirklichkeit zu nähern und sich mit heutigen Strukturen konkret auseinanderzusetzen.

Dafür lud das Palais für aktuelle Kunst im vergangenen Sommer fünf fremde Künstler nach Glückstadt ein. Die Auswahl der Teilnehmer war davon bestimmt, ein breites Spektrum an städtischen Themen anzusprechen, sowie unterschiedliche aktuelle Kunstauffassungen zu repräsentieren. Die Schau markiert auch das künftige Ausstellungsprogramm unter neuer Leitung im PAK, wo in Zukunft Künstler mit den Räumlichkeiten des ehemaligen, denkmalgeschützten Adelspalais arbeiten und auf aktuelle Themenstellungen reagieren sollen.

So hat Anke Haarmann (Jahrgang 1968, lebt in Hamburg) die geplante Bebauung des historischen Hafens - die in der Stadt und den Medien für heftige Diskussionen sorgt - in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt. Die Künstlerin sprach mit Politikern, Vertretern von Bürgerinitiativen, Denkmalschützern und Anwohnern über deren Vorstellung eines Hafens. Nach diesen konträren Wünschen hat Haarmann am Computer eine großformatige fotografische Ansicht des Glückstädter Hafens erstellt. Sie wird als zwölf Meter langes Plakat im PAK präsentiert. Die Künstlerin hat auf demokratische Weise eine aktuelle Problematik aufgegriffen, und einen Prozess in Gang gesetzt, der in Glückstadt zu neuen Lösungsvorschlägen führte. Haarmann hält sich dabei mit eigenen Wertungen zurück- nur das Resultat ihrer Arbeit, d.h. das Plakat, kommentiert sie mit einem Augenzwinkern und verstärkt einzelne Elemente ironisch.

Henrik Hold (Jahrgang 1971, lebt in München) dokumentiert auf subjektive Weise die Stadtlandschaft. Während er im vergangenen Sommer mehrere Monate in Glückstadt verbracht hat, zeichnete er mit Tusche auf Papier fast täglich vor Ort. Trotz der Wiedergabe realer Räumlichkeiten ist seine Vorgehensweise nicht naturalistisch. Autos und Menschen etwa fehlen auf seinen Bildern in der Regel. Hold reduziert seine visuellen Erfahrungen auf für ihn Wesentliches und arbeitet mit einem starken Gespür für Atmosphären. Wo historische Bausubstanz auf Bausünden seit den fünfziger Jahren trifft, hat er sich der Stimmung der Orte körperlich ausgesetzt. Manche dieser Räume wirken in ihrer Glätte bedrohlich, andere repräsentieren eine fast liebliche Kleinteiligkeit.

Caroline von Grone (Jahrgang 1964, lebt in Kiel) assoziierte mit der Stadt den Begriff „Glückskinder“. In mehreren öffentlichen Aktionen im PAK standen ihr zufällig ausgewählte Kinder Modell. Ihre Malerei spiegelt diese Kinder, die während vieler Stunden zeichnen und in diese Beschäftigung fast meditativ versenkt sind. Parallel dazu vertieft sich auch die Künstlerin in ihre malerische Tätigkeit. Es entstehen Bilder von ruhiger Schönheit und Achtsamkeit, die Momente von Flüchtigkeit fixieren. Im PAK zeigt von Grone sowohl ihre eigenen Bilder, als auch die entstandenen Kinderzeichnungen. Sie wird während der Schau eine weitere Arbeit vor Ort fertigen, weshalb die Ateliersituation in einem Raum bestehen bleibt.

Oliver Godow (Jahrgang 1968, lebt in Hamburg) fotografierte im Industriegebiet am Hafen, das sich vor allem zu Beginn 20. Jahrhunderts entwickelt hat. Obwohl dort oft rund um die Uhr gearbeitet wird, wirken die Orte erstaunlich still. Diese Ruhe trügt. Die Motive sind in eine große Geschäftigkeit eingebettet. Godow zeigt jenen Augenblick, bevor etwa ein Gabelstapler Berge von Papierrollen abräumt. Auch interessieren ihn Räume des Übergangs, die umgebaut werden oder vor dem Abbruch stehen. Die bei Tageslicht und mit einer Mittelformatkamera entstandenen Bilder sind ausschnitthaft und verweigern den großen Überblick. Es ist immer nur ein Teil der Welt zu sehen, dessen Gegenwart zeitlich begrenzt ist.

Erika Bialowons (Jahrgang 1953, lebt in Hamburg) hat mit ehemaligen Flüchtlingen aus dem heutigen Osteuropa und deren Nachkommen die Geschichte einer Kindheit in den fünfziger Jahren in Szene gesetzt. Glückstadt hat nach dem zweiten Weltkrieg etwa 6000 Menschen hauptsächlich aus Ostpreußen und Danzig aufgenommen – und damit seine Bevölkerungszahl verdoppelt. Bialowons Fotografien verknüpfen Beschreibungen von Glückstädtern mit ihren eigenen Erlebnissen. Erika Bialowons Mutter war 1945 aus Litauen nach Deutschland geflüchtet. Entstanden ist eine fiktive Geschichte mit Spots auf ein Mädchen und ihre Umgebung, das sich zwischen Erinnerungen und der Gegenwart bewegt. Die Bilder erzählen von Fremdheit und Nähe, von Schutz und Enge gleichermaßen. Dabei überschneiden sich inhaltliche und zeitliche Ebenen, die teilweise abgeschlossen sind, teilweise bis ins heute fortwirken. Schauplätze sind sowohl Wohnungen ehemaliger Flüchtlinge als auch öffentliche Räume in Glückstadt.

Das PAK dankt für die freundliche Unterstützung: der Volksbank Elmshorn, der Provinzial und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.

Exklusiv erscheinen Editionen von Erika Bialowons, Anke Haarmann, Henrik Hold und Oliver Godow. Sowie ein Katalog mit Henrik Hold und Oliver Godow von der Sparkassenstiftung. Während der Ausstellung wird eine Publikation mit allen Arbeiten veröffentlicht.

Pressetext

Dat schall glücken

mit Erika Bialowons, Oliver Gudow, Caroline von Grone, Anke Haarmann [AHA], Henrik Hold