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Die Malerin MATHILDE TARDIF 1872-1929 Panoptikum der Gesellschaft um 1900   Die Ausstellung mit Werken der in Marseille geborenen und in Deutschland gestorbenen MATHILDE TARDIF (1872-1929) ist eine PREMIERE. Es ist die erste Begegnung mit ihren Gemälden aus privatem Nachlass, die Einblick in das Werk der in den 1890er-Jahren in Paris an der Académie Julian ausgebildeten Malerin gibt.

Nur ein einziges Mal wurde der Name MATHILDE TARDIF während ihrer Lebzeiten bisher öffentlich, als zwischen 1901 und 1906 in der Berliner Secession, dem Forum für Moderne Kunst, Arbeiten von ihr ausgestellt waren, von denen einige jetzt auch im VERBORGENE MUSEUM zu sehen sein werden.

Mathilde Tardif kommt durch ihre Heirat 1907 mit dem Portrait-Maler Leo Freiherr von König (1871- 1944) nach Berlin, der zwischen 1894 und 1897 ebenfalls an der Académie Julian studiert hat.

Nach der Trennung von Leo von König geht Mathilde Tardif Anfang der 1920er-Jahre zusammen mit ihrer Tochter Yvonne und deren Mann, dem Maler Walter Becker, nach Frankreich zurück. 1929 setzt sie in Deutschland ihrem Leben selbst ein Ende. In der Kunstmetropole des 19. Jahrhunderts, im Paris des Impressionismus zur Malerin ausgebildet, entwickelt sie unter Einfluss der Künstlergruppe der Nabis um Maurice Denis und des aufkommenden Art Nouveau mit kritischem Blick auf die sozialen Verhältnisse ihren eigenen Stil.

In kleinformatigen Aquarellen und Gouachen bringt sie ihre scharfsichtigen, gesellschaftskritischen Beobachtungen zu Papier. Zu ihrem festen Bildrepertoire gehören Darstellungen sozialer Spannungen: Bettler und Gutsituierte, Galan und Prostituierte, die elegante Halbwelt der Vergnügungslokale oder karikaturesk überzeichnete Typen wie der alternde Dandy oder ein bigotter und fettleibiger Klerus; auch der Tod fehlt nicht, der keine Unterschiede in Bezug auf Herkunft und Alter kennt. Tardif thematisiert aber auch die kleinen Freuden des Alltags, wenn Mutter und Sohn neugierig ein Zirkus-Plakat studieren, Zirkusartisten extreme Darbietungen zum Besten geben. Immer überraschen überzeichnete Mimik und überzogene Körperlichkeit.

DAS VERBORGENE MUSEUM zeigt ca. siebzig erstmals öffentlich präsentierte Werke der auch in Frankreich bislang nicht bearbeiteten und vollständig unbekannten Malerin.