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EMAF 2021

FESTIVAL April 21 – 25 2021
EXHIBITION April 21 – May 30 2021

Themenschwerpunkt des EMAF 2021: „Possessed“

Mit seinem Thema „Possessed“ [„Besessen“] legt das EMAF in diesem Jahr den Fokus auf Fragen des Eigentums und Formen des Besitzens. Gezeigt werden Filme, Installationen, Performances und Vorträge, die untersuchen, wie Besitzverhältnisse unsere globale Gegenwart und Zukunft bestimmen und wie sie mit unserer jüngeren Vergangenheit verwoben sind. Sie zeigen auf, wie Objekte, Räume oder Erfahrungen von uns Besitz ergreifen und dabei alternative Formen des Miteinanders ermöglichen. Und indem sie mit Strategien der Aneignung, der Distribution und des Entzugs experimentieren, schlagen sie neue Formen der Präsenz in und Partizipation an den Räumen und Institutionen von Film und Medienkunst vor. Während Ausstellung, Filmprogramm und Talks sich je unterschiedlichen Aspekten des Themenschwerpunkts widmen, nehmen einzelne Formate gezielt ihre Zusammenhänge und Wechselbeziehungen in den Blick.

Die von Inga Seidler kuratierte Ausstellung nimmt Besitz und Kolonialismus beziehungsweise (rassistischen) Kapitalismus als Ausgangspunkt. In den ausgewählten Arbeiten geht es um Ungleichheiten, die dieses System des Besitztums (und Eigentumsrechts) hervorgebracht hat: die Enteignung oder den Entzug von Land, Subjektivität, Geschichte(n), Erinnerungen und Rechten. Sie werfen ein Licht darauf, wie sich dies im Bereich des Digitalen fortsetzt und auf die Verbindung von Technologie und Abstraktion zurückwirkt. Die Schau präsentiert zudem Werke von Künstler:innen und Aktivist:innen, die alternative Formen des Besitzes, verschiedene Modelle des Zusammenlebens unter Verzicht auf Eigentum sowie veränderte gesellschaftliche Realitäten imaginieren.

Das von Anja Dornieden und Juan David González Monroy kuratierte Filmprogramm mit dem Titel „The Unpossesable Possessor“ [„Der nicht besitzbare Besitzer“] betrachtet den kinematografischen Apparat als lebendiges Wesen, der in eine vielschichtige Beziehung mit uns Menschen verstrickt ist. Ist seine Beziehung zu uns parasitärer oder wechselseitiger Natur? Sind seine Absichten lauter oder korrupt? Steht er unter unserer Herrschaft oder unterliegt unser Selbst seiner Kontrolle? Ist er menschlich? Oder etwas anderes? Liebt er uns? Zweifellos haben wir einen guten Teil unseres kollektiven Bewusstseins der Filmmaschine abgetreten. Wäre es nicht hilfreich herauszufinden, wer sie ist und was sie will?

Das von Daphne Dragona kuratierte Talk-Programm diskutiert, was „Besitz“ und „Besessen-Werden“ heute bedeuten und in welcher Verbindung sie zueinander stehen. Bildende Künstler:innen, Filmschaffende und Theoretiker:innen sind eingeladen, über Besitz, Kontrolle und Herrschaft im Kontext von Grundbesitz, Identität und Technologie zu diskutieren und zu erkunden, wie diese von alten und neuen Überzeugungen, Ritualen und Gewohnheiten bestimmt werden. Indem es seine Aufmerksamkeit auf vergangene und zeitgenössische Formen des Kolonialismus und des Extraktivismus richtet, fragt das Programm danach, was es bedeutet, Welt/en zu besitzen, zu verlieren und zurückzufordern. Dabei befasst es sich mit Formen von Widerstand, Relationalität und Verwandtschaft.

Die Kurator:innen des Themenschwerpunkts:

Inga Seidler lebt und arbeitet als Kuratorin und Kulturproduzentin in Berlin. In den letzten Jahren hat sie Ausstellungen und Performances, Residenz- und Publikationsprojekte entwickelt, produziert und kuratiert. Nach mehreren Jahren als Producer und Kuratorin beim Festival transmediale leitete sie das Digitale Programm der Akademie Schloss Solitude. In ihrer aktuellen Position am ACUD MACHT NEU beschäftigt sie sich im Rahmen der Serie COLLECTIVE PRACTICES mit Fragen der kollektiven Wissensproduktion, des Kulturschaffens und Organisierens mithilfe oder als Reaktion auf neue Technologien.

Anja Dornieden & Juan David González Monroy sind in Berlin lebende Filmemacher:innen. Ihre gemeinsamen Arbeiten entstehen unter dem Namen OJOBOCA. Zusammen praktizieren sie Orrorism, eine simulierte Methode der inneren und äußeren Transformation. Sie haben ihre Filme und Performances an einer Vielzahl von Orten und Festivals weltweit gezeigt, u.a. im Wexner Center for the Arts (Columbus), dem Österreichischen Filmmuseum (Wien), Anthology Film Archives (New York), dem Haus der Kulturen der Welt (Berlin), Kunstverein München, der Berlinale, dem International Film Festival Rotterdam und dem New York Film Festival. Sie sind Mitglieder des von Künstler:innen geführten Filmlabors LaborBerlin.

Daphne Dragona arbeitet als Kuratorin und Autorin in Berlin. Sie befasst sich mit künstlerischen Praktiken und Methoden, die gegenwärtige Machtstrukturen in Frage stellen. Sie hat Ausstellungen, Konferenzen und Workshops für Institutionen wie die Stiftung Onassis Stegi, das EMST (Museum für zeitgenössische Kunst in Athen), LABoral (Gijón), Aksioma (Ljubljana), NeMe (Limassol) und die Akademie Schloss Solitude in Stuttgart kuratiert. Dragona gehörte von 2015 bis 2019 dem kuratorischen Kernteam der transmediale an. Sie erwarb ihren PhD am Institut für Kommunikation und Medienwissenschaft der Universität Athen.