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From A to B. Von Straßen, Highways und Datenströmen

Laufzeit: 6. Dezember 2020 – 7. März 2021
Pressekonferenz: Freitag, 4. Dezember 2020, 11 Uhr

Mit einem Screening von Magnum Photos/Paris und Werken von Sue Barr, Thomas Bayrle, Julius Brauckmann, James Bridle, Ingrid Burrington, Emma Charles, Frauke Dannert, Hans Gremmen, Uschi Huber, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Catherine Opie, Kathy Prendergast, Hans-Christian Schink, Henrik Spohler, Katja Stuke & Oliver Sieber, Clement Valla, Mels Van Zutphen.

Kuratiert von Heide Häusler (Ausstellungskuratorin) zusammen mit Fritz Emslander (Museum Morsbroich).

Bitte merken Sie sich diesen Termin vor. Wir hoffen, dass die Museen im Dezember wieder öffnen können und wir Sie am Freitag, 4. Dezember 2020, 11 Uhr, im Museum Morsbroich zur Pressekonferenz begrüßen können. In diesem Fall erhalten Sie am 30. November nochmals eine Bestätigung des Termins mit der Aufforderung zur Anmeldung und weiteren Informationen.

In einer Welt, in der Informationen und Dienstleistungen in kürzester Zeit über Datenhighways befördert werden, erscheinen gebaute und geteerte Straßen fast wie Relikte einer vergangenen Zeit. Die Natur der Straße liegt in der Verbindung eines Starts A mit einem Ziel B – eine urtypische Bewegung. Sie geht einher mit der Grundannahme, dass sich unsere Welt linear entwickelt und stetig fortschreitet – so wie wir uns auf der Straße bewegen, um entfernte Ziele zu erreichen, entwickeln wir uns auch im besten Fall weiter.

Der Bau von Straßen erzählt in der Kulturgeschichte der Menschheit vom Siegeszug dieser linearen Perspektive: Man wollte immer weiter, mit immer mehr Personen und Waren auf immer mehr Straßen. Nun scheinen wir uns im Zuge einer fortschreitenden Digitalisierung aber immer weiter von der Idee einer linearen Struktur zu entfernen – hin zu einem Fluidum totaler Vernetztheit. Wir erleben selbst tagtäglich, dass ein geordnetes Nacheinander immer schwieriger zu fassen ist, dass lineare Narrationen aufbrechen und die Simultanität vieler Möglichkeiten vorherrscht.

Die Ausstellung From A to B reflektiert vor diesem Hintergrund das Motiv der Straße und das Konstrukt einer Linearität, das sich in ihm manifestiert(e). Sie befragt dessen Relevanz und Bedeutung für die Welt des 21. Jahrhunderts und tut dies in der einst im Geiste der Wirtschaftswunder-Pioniere autogerecht umgebauten Industriestadt Leverkusen (auf die mit dem aktuellen Autobahnausbau von A1 und A3 einer der größten und herausforderndsten Baumaßnahmen Nordrhein-Westfalens zukommt).

Als Auftakt der Ausstellung führt eine Großprojektion mit Werken von 42 Fotografen der Agentur Magnum in die verschiedenen Zuschreibungen der Straße ein. Seit den 1950er Jahren haben diese auf der ganzen Welt Straßen und Autobahnen aufgenommen, ihre Konstruktionen und Nutzungen. Die Straße erscheint verdichtet zu einem Symbol für Bewegung und Fortschritt, nicht selten auch für Flucht, Entkommen und territoriale Erweiterung. Straßen wecken Sehnsüchte und lassen ein anderes, besseres Leben projizieren. Die Bewegung auf Straßen und Highways, fahrende Autos und transportierte Güter signalisieren Wohlstand und Entwicklung, sie machen den Menschen zu einem handelnden Subjekt – die ideale Vision von demokratischer Mobilität: die effiziente, schnelle Verbindung von Privatwagen und öffentlicher Autobahn.

Was erzählen diese Straßen über die Zivilisation ihrer Erbauer? Was sind die Gründe, Motivationen, Ziele für die Errichtung unzähliger betonierter Trassen, die Landschaften durchschneiden und netzartig unsere Städte durchziehen. Was sind die Konsequenzen? „From A to B" zeigt Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die das Motiv der Straße oder des Highways abbilden, es untersuchen, in Frage stellen, sich ihm verweigern oder das lineare System, das die Straße prägt, weiterentwickeln. In einer Vielzahl von Straßen- und Autobahnbildern wird die pragmatisch von A nach B führende Straße als (einstige) Fortschritts-Metapher reflektiert und ihre allmähliche Transformation in die virtuellen Welten der Datenhighways aufgezeigt.