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Eröffnung der Galerie BodhiBerlin

Seit drei Jahren präsentiert Bodhi Art in ihren Dependancen in Mumbai, Neu-Delhi, New York und Singapur erfolgreich herausragende zeitgenössische Kunst aus Indien.
Mit BodhiBerlin kommt die Galerie nun auch in Europa an. Die neuen Räumlichkeiten befinden sich direkt hinter dem Hamburger Bahnhof in unmittelbarer Nähe zum neuen Hauptbahnhof. Die Galerie möchte an diesem Ort zur Beschäftigung mit zeitgenössischer indischer Kunst einladen. Gezeigt werden zunächst Solo- und Gruppenausstellungen, die in Indien lebende Künstler präsentieren. Ein längerfristiges Ziel von BodhiBerlin besteht darüber hinaus aber auch darin, die künstlerische Gegenwart Indiens und Werke zeitgenössischer internationaler Künstler zusammenzubringen.

Die erste Ausstellung eröffnet mit Hauptwerken von Atul Dodiya, Subodh Gupta, Zarina Hashmi, Jitish Kallat, Riyas Komu, Valsan Koorma Kolleri und Nataraj Sharma. In Zusammenarbeit mit der Berliner Galerie Volker Diehl folgt eine Einzelausstellung der jungen Medienkünstlerin Shilpa Gupta.

BodhiBerlin freut sich, ihre Eröffnungsausstellung Frontlines: Notations from the Contemporary Indian Urban zu präsentieren.

Die ausgewählten Arbeiten erforschen den gegenwärtigen Zustand indischer Städte, die den Auswirkungen der rasanten Urbanisierung ausgesetzt sind und deren Spuren tragen. Solche Veränderungen in Zahl, Dichte und Beschaffenheit der urbanen Bevölkerung Indiens sind kreative Anreize für das empfindsame künstlerische Schaffen innerhalb der Bildenden Kunst, der Filmkunst und Literatur Indiens.

Die Ausstellung zeigt eine Werkauswahl, die deutlich aus der Ästhetik des Industriedesigns schöpft und fragile Materialien behutsam in gewaltige Formsprache umwandelt. In jenem kreativen Spiel von Inhalt und Form versuchen die Künstler, die Schizophrenie und den städtischen Wahnsinn der Metropolen Mumbai, Barode und Neu-Delhi einzufangen. Die ausgestellten Kunstwerke verbindet vor allem die Verwendung von Metall als grundlegendes gestalterisches Material. Besonders die skulpturalen Arbeiten, die aus gerilltem Eisen, Sushi-Transportbändern, tiffins (indische Metallbehälter für Mahlzeiten) und gerolltem Drahtgewebe gefertigt sind, referieren auf die materielle wie gesellschaftliche Urbanität unserer Umwelt und betonen gleichzeitig deren Widerstandsfähigkeit. Die Arbeiten sind deutlich gezeichnet von den immensen Auswirkungen eines sich in Asien rasant verbreitenden Phänomens: der Massenauszug der ländlichen Bevölkerung in die urbanen Zentren, der dazu führt, dass zahlreiche indische Städte anderen Großstädten wie Peking oder Bangkok ähneln. Es entstehen rasant wachsende, dicht besiedelte Orte, in denen Menschen gleichzeitig innerhalb des „Systems Stadt“, und dennoch vor dessen Toren leben. In diesem Sinne avancieren Metropolen zu metaphorischen Frontlinien: Hier spielen sich Umsiedlungsprozesse ab, die zu Entfremdung, Hungersnot, Armut, oder aber zur Verwirklichung von Träumen führen können. Mit der Wucht aufstrebender Wirtschaftskraft wird Indien zu einem neuen und erstaunlichen Machtzentrum unserer Zukunft. Das Land zeugt heute schon davon, wie es aus seinem historisch bedeutsamen Kulturerbe eine einfallsreiche und vor allem geschichtsbewusste, eigene Ästhetik hervorgebracht hat, welche die binären Geschichten der Kolonialzeit und die der Moderne verbindet. Faith Matters von Subodh Gupta ist eine mobile Stadtskulptur, die sich mit anerkennendem Gestus auf das absurd-emsige Geschäft der tiffin - Austräger bezieht sowie Assoziationen zu einer blühenden Wolkenkratzerlandschaft erweckt, die das Stadtbild ihrer urbanen Zentren prägen. Nataraj Sharmas Werkserie Above Detroit handelt von Formen des Fliegens. Großformatige Bilder widmen sich der Wahrnehmung von Schnelligkeit, Transformation und des Topographischen und erinnern an den raschen Perspektivenwechsel des „fequent flyers“. Von ganz anderer Thematik ist Riyas Komus The Cult of the Dead and Memory Loss: die Installation ist ein Beispiel für komplexen Ikonoklasmus, welches aus der muslimischen Ikonographie schöpft und diese mit gängigen Emblemen der Jugendkultur verbindet. Das Werk, geschnitzt aus dunklem Holz und gerahmt von metallenen Elementen verweigert sich zwar simpler Kategorisierung, fordert dennoch gründliches Nachsinnen über Handwerk und Sakralität. Seit 2000 beschäftigt sich Atul Dodiya mit Malerei auf Rollläden, wie in seiner „Shutter“ Serie zu sehen ist. Der Künstler verknüpft in seinen Werken die [von ihm vorgefundene] Spaltung zwischen Gegenstand und Gemälde und überwindet damit ihre Grenzen. Die metallenen Rollläden, die ursprünglich zum häuslichen Schutz und Sicherheit bestimmt waren, werden hier zu emblematischen Räumen, die Geschichtliches und Ikonisches sichtbar an der Oberfläche tragen. So werden die Rollladen-Bilder erdverbunden, erfahrbar für jeden Fußgänger und einzigartig in der Geschichte der Malerei. Jitish Kallat präsentiert mit Petromorphine ein prägnantes Kunstwerk. Er arrangiert ein schizophrenes Verkehrschaos auf einen orangefarbenen Kreis, der einem Globus gleicht. In dieser Lesart spielt Kallat auf die heutige Lebensrealität an, deren Wahnsinn sich auf den dicht befahrenen, sich wieder und wieder kreuzenden Schnellstraßen spiegelt. Dagegen strahlen Valsan Koorma Kolleris und Zarina Hashmis Arbeiten Ruhe und Kontemplation aus. Sie können als schweigsame visuelle Gegenpunkte zu den unruhigen Orten der bereits genannten Künstler gesehen werden. Die Stille, die diese Arbeiten umgibt, entsteht aus einem feinmaschigen Gitternetz, welches von beiden Künstlern verwandt wird. Damit wird eine intensive Auseinandersetzung mit Begrifflichkeiten wie Raum und Gedächtnis ermöglicht. Valsan Koorma Kolleri kreiert in seiner Arbeit Untitled ein nuancenreiches Konstrukt aus handgewebtem Kupferdraht. Es ähnelt dem organischen Chaos eines Vogelnestes und schafft gleichzeitig eine formal-kubische Ästhetik aus Silhouetten und Schatten. Einige in der Ausstellung präsentierte Künstler, die ihren Wohnsitz meist in Mumbai, Baroda oder im Großraum Delhi haben, zeigten ihre Werke bereits in Indien und im internationalen Ausland. Die kuratierten Arbeiten sind Teil einer Reihe weiterer Ausstellungen, die BodhiBerlin im Kontext aufkommender Diskurse zum Phänomen der neuen indischen Künstlergeneration der Gegenwart ausrichten wird: zeitgenössische indische Künstler (Contemporary Indian Artists), die sich dezidiert von der indischen Moderne abgrenzen. Mit der Eröffnungsausstellung Frontlines: Notations from the Contemporary Indian Urban übernimmt Shaheen Merali die Funktion des künstlerischen Leiters bei Bodhi Art. Der ehemalige Leiter des Bereichs Bildende Kunst, Film und Neue Medien am Haus der Kulturen der Welt in Berlin wird in seiner neuen Tätigkeit mit allen anderen Dependenzen von Bodhi Art sowie mit musealen Einrichtungen weltweit zusammenarbeiten. Als Künstler und Kurator bringt Merali umfangreiche Kenntnisse, vor allem in Bezug auf Internationalität, mit. Am HKW kuratierte er Traum und Trauma (2005), eine Filmreihe und Ausstellung, die Film- und Videoinstallationen von zwölf aus Palästina und Israel stammenden Künstlern enthielt, die bahnbrechende Ausstellung Black Atlantic (2004) mit Auftragswerken von Isaac Julien, Keith Piper und Lisl Ponger/Tim Sharp sowie New York States of Mind (2007), bestehend aus einer Ausstellung und einem Filmprogramm, worin aktuelle künstlerische Vermittlungsversuche in New York aufgezeigt und kontextualisiert wurden. Shaheen Meralis letzte Ausstellung in seiner Tätigkeit als Bereichsleiter am Haus der Kulturen der Welt läuft derzeit erfolgreich unter dem Titel Re-Imagining Asia, ko-kuratiert mit Professor Wu Hung. Neben seiner kuratorischen Tätigkeit am HKW war Shaheen Merali Ko-Kurator von The First Chapter_Trace Root: Unfolding Asian Stories im Rahmen der Sixth Gwangju Biennale, Korea (2006) und hat die internationale Gruppenausstellung All our Tomorrows: the culture of camouflage im Kunstraum der Universität Lüneburg kuratiert (ebenfalls 2006). Zu seinen jüngsten Publikationen als Herausgeber zählen Re-Imagining Asia. A Thousand Years of Separation (Saqi Books, 2008), New York States of Mind. Art in the City (Saqi Books, 2007/8), Spaces and Shadows, Contemporary Art from Southeast Asia/Räume und Schatten –Zeitgenössische Kunst aus Südostasien sowie About Beauty/Über Schönheit (ein interdisziplinäres Projekt über aktuelle interkulturelle Vorstellungen von Schönheit), die beide 2005 erschienen sind. 2004 war er Mitherausgeber von Far Near Distance, Contemporary Positions of Iranian Artists/Entfernte Nähe – Neue Positionen iranischer Künstler. Die Galerien von Bodhi Art hoffen mit ihren Ausstellungen in Mumbai, Neu-Delhi, Singapur, New York und Berlin die interessierte Öffentlichkeit und Fachbesucher aus der Welt der Bildenden Kunst, der Akademiker und der musealen Institutionen nachhaltig und fundiert zu informieren und zu bereichern.

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Three years after its successful entry into the challenging field of presenting outstanding contemporary art from India, with galleries in Mumbai, New Delhi, New York and Singapore, Bodhi is opening its newest space in Europe to be known as BodhiBerlin. The new space, situated directly behind the Hamburger Bahnhof and in close proximity to the new Hauptbahnhof for Berlin, provides a stimulating environment in which to view and contemplates significant artistic explorations of contemporary Indian artists (CIAs). The gallery will feature works in both monograph shows and group exhibitions from a vast range of practioners based mainly in India, yet will also present curated exhibitions based both on individuated experiences and experiments which develop themes drawn from a wide pool of practioners from the global sphere. The inaugural exhibition will feature key works by Subodh Gupta, Nataraj Sharma, Riyas Komu, Zarina Hashmi, Atul Dodiya,Valsan Koorma Kolleri and Jitish Kallat. The second exhibition will be a monograph exhibition by the young media based artist, Shilpa Gupta. This exhibition will be a split- site exhibition in collaboration with Volker Diehl Gallery, Berlin.

BodhiBerlin is proud to announce its inaugural exhibition Frontlines: Notations from the contemporary Indian Urban. The selected works in this exhibition examine the current state of accelerated urbanization that is affecting the cities of India. This state of being within the rapidly rising, densely packed structures of its main cities has provided a great amount of creative impetus and volatile content to a number of visual artists, film-makers and writers.

The exhibition consists of a series of works that draw upon the distinct aesthetics of industrial design and tempered materials that the artists employ in a creative play that helps to describe the frenzied and sometimes schizophrenic spaces that they have learned to call home in the metropolis of Mumbai, Baroda, Bangalore or Greater Delhi.

The prevalent use of metal in the artworks, specifically in the sculptural works that employ corrugated iron, sushi belts, tiffins as well as rolls of wire, allows the audience to further examine the very material with which we have constructed our urbanity and further emphases the robust state of our environment. The curated works have been greatly influenced by what has become the burgeoning phenomenon in Asia of the mass exodus of its rural population to its urban centers. In the wake of this condition many Indian cities resemble other similarly built-up arenas including Beijing and Bangkok. These spaces are dense, man-made environments within which the grid and the gridlock coexist. As such they have become the new frontlines for re-settlements that can lead to alienation, hunger, poverty and dreams.

India, the amazing powerhouse of our future, with its rapidly spiraling economic might, has advanced its potent cultural heritage into innovative, historically redolent aesthetic developments that combine its binary histories of colonial and modernity. Gupta’s Faith Matters is a mobile city sculpture which has local references appreciative of the mind-boggling enterprise of the tiffin deliverers and the blossoming skyscrapers which have come to dominate its urban centers. Whilst Sharma’s series, Above Detroit, examines the mode of flight, a series of large scale paintings dedicated to notions of velocity, change and topography that have become a matter of daily recognition for the frequent flyer. Komus oeuvre, remains a complicated iconoclasm, drawn from Muslim iconography sundered with youth culture emblems. The Cult of the Dead, carved into dark wood with metal inserts, defies categorization but allows for rumination from craft to the sacred. Dodiyas roller Shutter paintings that he began working on since 2000, draws together the schism [that he found] between objects and paintings could be overcome. The shutters originally designed to make secure businesses and households, now bravely become emblematic spaces where history and icons are combined on the outer skein that make these work both pedestrian and unique in the history of painting.

Kallats, Petromorphine, a succinct work arranges the deranged life of traffic into an orange globe that addresses the maddening world of the dense crossroads of our daily realities, whilst the work of Valsan Koorma Kolleri and Zarina Hashmi, remain as counterpoints to the busy spaces created by the other artists. Their silence, constructed from the grid, allows for a more intimate look at notions of space and memory. Everything is suspended including time. Loss becomes precariously permanent. Hashmis, Weaving Memory, a monochromatic work on paper, is an accumulation of labour, allowing for the wandering mind to think about multi-temporality in a non-linear frame. It has been described as a tapestry of interrupted thoughts. Similarly, Kolleri, in a work entitled, Jagran Swapnam Sushupti, creates a nuanced construction of hand woven copper wire, which resembles the organic chaos of a bird’s nest and creates a cubic form of shadows and silhouettes.

A number of the artists in the exhibition have exhibited widely in India and abroad and most of the artists live and work in Mumbai, Baroda and Greater Delhi. These works have been curated as part of a series of exhibition at BodhiBerlin which will highlight the emerging discourses from the generation known as contemporary Indian artists, in relationship to the last generation whose work came to be known as the modern India artist group. This first exhibition sets a precedent for such future curated explorations for BodhiBerlin which will be developed through research and a curatorial frame provided by its new artistic director, Shaheen Merali, formerly the Head of Exhibitions, Film and New Media at the House of World Cultures in Berlin. As the artistic director for Bodhi Arts, Shaheen Merali will work with all the galleries that Bodhi inhabits as well as with the museum exhibitions that are now increasing both in volume and in intensity about, around and within the International frame. He brings with him a vast knowledge of Internationalism, having curated Dreams and Trauma (2005), a film festival and moving image installation/exhibition by twelve artists of Palestinian and Israeli origin; the seminal exhibition The Black Atlantic, with new commissions by Isaac Julien, Keith Piper and Lisl Ponger/Tim Sharp; and New York States of Mind (2007), an exhibition and film programme delineating and contextualizing artistic mediations in New York. His final exhibition at the HKW was the ground breaking Re-Imagining Asia (co-curated with Wu Hung).

Besides his curatorship at the HWC, he co-curated The First Chapter-Trace Root: Unfolding Asian Stories for the Sixth Gwangju Biennale, Korea and curated the International group exhibition All our Tomorrows: the Culture of Camouflage for the Kunstraum at the University of Lueneburg, both in 2006. His most recent publications as editor include Re-Imagining Asia (Saqi Books 2008), New York States of Mind: Art in the City (Saqi Books, 2007), Spaces and Shadows: Contemporary Art from Southeast Asia and About Beauty (an interdisciplinary project on contemporary and intercultural notions of Beauty), both in 2005. In 2004 he co-edited Far Near Distance, Contemporary Positions of Iranian Artists.

The exhibitions and the galleries from which Bodhi operates in its various locations in such esteemed environments as Berlin and the Cultural Centers of India and Asia will have a prolonged and profound affect on visitors from both the general public and from the worlds of fine art, academia and museums.

Frontlines: Notations from the contemporary Indian Urban
Works by Various Artists

mit Atul Dodiya, Subodh Gupta, Zarina Hashmi, Jitish Kallat, Valsan Koorma Kolleri, Riyas Komu, Nataraj Sharma