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Die Ausstellung Memory of a Square in der Kunsthalle Fridericianum präsentiert die Videoarbeiten der Künstlerin Gülsün Karamustafa der Jahre 2000 - 2005. Neben ihren Objektarbeiten und Installationen wendet sich Karamustafa in den letzten Jahren verstärkt dem Medium Film zu, vor allem aufgrund dessen Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, poetische Momente festzuhalten und historische und soziale Zusammenhänge anschaulich zu machen. Sie wählt dafür oft die Form des Interviews, gibt Menschen – deren Schicksale und Geschichten meistens im Verborgenen bleiben – ein Gesicht und eine Stimme.

Auch wenn die künstlerischen Medien wechseln, Themen wie Migration, die Suche nach der eigenen Identität zwischen West und Ost, die Rolle der Frau in der türkischen Gesellschaft oder die politische Entwicklung des Landes bestimmen seit vielen Jahren ihr künstlerisches Schaffen. In den meisten Fällen gibt die Stadt Istanbul – die Stadt in der sie lebt und arbeitet – als Mikrokosmos die Themen von globaler Bedeutung vor, denen die Künstlerin in ihren Arbeiten nachgeht.

Stellvertretend für diese Verbindung steht ihre Videoarbeit Memory of a Square aus dem Jahr 2005. Darin verbindet sie die spannungsreiche Geschichte des zentralen Taksim Platzes im Herzen der Stadt mit Szenen aus dem häuslichen Alltagsleben einer Familie. Die als Doppelprojektion konzipierte Arbeit zeigt zum einen dokumentarisches Filmmaterial aus der abwechslungsreichen Geschichte des Platzes von den 1930er bis zu den 1980er Jahren. Gleichzeitig scheint es, als stünde diese Geschichte stellvertretend für die politische Entwicklung des Landes. Demonstrationen, gewalttätige Auseinandersetzungen, Festlichkeiten und das Enthüllen von Denkmälern spiegeln immer auch die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation. Die zweite Projektion zeigt in elf Episoden verschiedene Alltagsszenen einer Familie, die aus drei Generationen besteht. Das Ambiente der Wohnung ist bürgerlich. Es wird nicht gesprochen, lediglich aus Mimik und Gestik lässt sich der emotionale Zustand der Protagonisten ablesen. Über die Musik und einzelne Hinweise wird für die Betrachter eine Verbindung deutlich, ergibt sich ein Zusammenhang zwischen den beiden Projektionen. Karamustafa macht deutlich, wie sehr die politische Sphäre mit der privaten verbunden ist, wie stark es das Leben des Einzelnen beeinflussen kann.

Gülsün Karamustafa (*1946) lebt und arbeitet in Istanbul

Einzelausstellungen (Auswahl) Black and White Visions, Prometeo Gallery, Mailand, 2006; Gülsün Karamustafa, kunstraum lakeside, Klagenfurt, 2006; Men Crying, Musée d´art Moderne de la Ville de Paris, Immanence Gallery, Paris, 2005; Hold on – Keep Quiet, Liesbeth Lips Gallery, Rotterdam, 2002; Mystic Transport, Trellis of my Mind, Musee d´art et d´histoire, Genf, 1999; Promised Paintings, Black and White Gallery, Ankara, 1998.

Gruppenausstellungen (Auswahl) IstanbulEindhoven, VanAbbe Museum, Eindhoven, 2005; Projekt Migration, Kölnischer Kunstverein, Köln, 2005; Centre of Gravity, Istanbul Modern, Istanbul, 2005; Love it or Leave it, 5. Cetinje Biennale, Cetinje (Montenegro), 2004; Call me ISTANBUL ist mein Name, ZKM, Karlsruhe, 2004; La Biennale de Venezia, 2003; Echolot oder neun Fragen an die Peripherie, Kunsthalle Fridericianum, Kassel, 1999.

Videoarbeiten in der Ausstellung: Personal Time Quartet (2000), Men Crying (2001), Staircase (2001), Making of the Wall (2003), The Settler (2003), Memory of a Square (2005), Tailor Made (2005), Unawarded Performances (2005).

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Essay von Barbara Hein-rich, 68 Seiten, 80 Abbildungen (davon 30 Farbe), ISBN 3-927015-48-2

Pressetext

Gülsün Karamustafa: Memory of a Square
Videoarbeiten 2000-2005