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Garten in der Flora 1 unter freiem Himmel!
GARTENKUNST: NANA PETZET, OLAF HOLZAPFEL und ULRIKE MOHR

Ab Karfreitag, 2.4.2021 ist auch der Ausstellungspavillon auf der Parzelle 3 mit Nana Petztets Ausstellung zur Entstehung des Harmas KGV, Mikroklima, Böden und seltenen wärmeliebenden Wildpflanzen des Elbügellandes wieder geöffnet. Dazu haben sich im Projekt Parzelle 3 mittlerweile zwei weitere künstlerische Projekte gesellt, die noch gar nicht formal eröffnet werden konnten, nämlich die ortspezifische Installation Arena von Olaf Holzapfel und das künstlerische Gartenprojekt Gnadengarten von Ulrike Mohr:

Was sagen handwerkliche Fähigkeiten über die Kultur einer Region und ihr Verhältnis zur Natur aus? Die für das Projekt Parzelle 3 in der Kleingartenanlage entworfene große Holzplastik Arena von Olaf Holzapfel ist in einer Blockhaus-Technik gefertigt, die in Europa weit verbreitet war, bevor sie durch andere nicht nachwachsende Baustoffe abgelöst wurde. Die unbehandelten Fichtenstämme, die Olaf Holzapfel zusammen gefügt hat, stammen aus dem großen Waldbestand, der in den vergangenen drei Jahren aufgrund der globalen Klimaerwärmung in Deutschland abgestorben ist und weisen Spuren des Borkenkäfers auf. Olaf Holzapfel geht es in Bezug auf dieses Denkmal für den Wald, das er mitten im Idyll der Kleingartenanlage platziert hat, jedoch auch um langfristige Zukunftsperspektiven und Hoffnungen:
Unser Leben ist unter den Pandemie-Bedingungen mit Home-Office und Videokonferenzen ein anderes geworden. Wäre es auch möglich, dass auch Stadtplanungen der Zukunft in Reaktion Klimaerwärmungen sich ändern und die Übergange zwischen Stadt und Natur fließender gedacht werden können?

Unkraut, Wildkraut, Nutzpflanze – invasiv oder dekorativ – nach welchen Gesichtspunkten bewerten Menschen die Pflanzen in ihrer Umgebung? Die Berliner Künstlerin Ulrike Mohr hat die Pflanzen des brach liegenden Gartens (Parzelle 3) vor seiner Umgestaltung im halb verwilderten Zustand erfasst, um einen neuen Garten zu gründen, der anderen Regeln folgt – den Gnadengarten. Über 50 verschiedene Wild- und Kulturpflanzen wurden in Zusammenarbeit mit der Gärtnerin Sabine Kroehs ausgegraben und das Saatgut aller einjährigen Pflanzen geerntet. Das Projekt kann in einer ersten Phase vor der Fertigstellung besichtigt werden, es wird in den kommenden Tagen durch Aussaat und Wachstum komplettiert.

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10. Okt 2020 – 31. Dez 2025
Eröffnung: 10. Oktober 2020

Flora I e.V., Striesen - künstlerischer Projektgarten
Parzelle 3 und Harmas KGV

Am Samstag, den 10. Oktober findet die Eröffnung des künstlerischen Projektgartens und des Ausstellungspavillons als neue Filiale des Kunsthauses auf der Parzelle statt.

Eine temporäre Ausstellung und Ausblick auf den künstlerischen Projektgarten des Kunsthauses Dresden in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Nana Petzet und constructlab

Entwickelt mit der Flora e.V., dem Boselgarten als Außenstelle des Botanischen Gartens der TU Dresden, dem Umweltzentrum e.V., dem Umweltamt und der GalaBau im Regiebetrieb Zentrale Technische Dienstleistungen der Landeshauptstadt Dresden und den Mittwochsmaler*innen.

Wir laden Euch herzlich ein, über die kommenden Sommerwochen in Dresden vorbei zu kommen und die unmittelbar neben dem Gartenlokal El Horst in der Bergmannstraße in Striesen gelegene Ausstellung im Grünen anzuschauen, die ab heute zu sehen ist! Die Ausstellung zeigt einen Ausblick auf den Garten und die kommende Filiale des Kunsthauses Dresden in der Kleingartenanlage.

Der Harmas KGV ist ein künstlerischer Projektgarten, der aus einer interdisziplinären Zusammenarbeit auf Initiative des Kunsthauses Dresden entstand. Der Modellgarten, der mit bedrohten Pflanzen aus der Region bepflanzt werden soll, stammt von der auf Projekte zu Artenvielfalt und Nachhaltigkeit spezialisierten Künstlerin Nana Petzet und wird mit einer Vielzahl lokaler Partner weiterentwickelt und umgesetzt. Feld-Mannstreu, Astlose Graslilie, Taubenskabiose und das Siebenbürgische Perlgras werden gemeinsam mit den weiteren trockenheitsliebenden Pflanzen des Elbhügellandes, die das Biotop besiedeln werden, in 17 Pflanzenportraits vorgestellt. Der Ausstellungspavillon, der bereits jetzt im Rohbau zu sehen ist, wurde von den Architekt*innen Alexander Römer und Mia für constructlab entworfen.

Für die Künstlerin Nana Petzet bildete die Arbeit von Jean-Henry Fabre, einer der ersten Forscher, der sich Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts konsequent dem Studium der Insektenwelt gewidmet hat, die grundlegende Inspiration für den Modellgarten auf Parzelle 3 der Kleingartenanlage.

Fabre, der berühmte französische Insektenforscher und Wegbereiter der Verhaltensforschung, der u.a. mit Charles Darwin korrespondierte, schreibt in seinem Lebenswerk Souvenirs Entomologiques (Erinnerungen eines Insektenforschers), das er zwischen 1879 und 1907 veröffentlichte: "Ich möchte von dem Stück Land sprechen, das nach meinem lang gehegten Plan ein Labor für lebendige Insektenforschung werden soll, von dem Stück Land, das ich in der Einsamkeit eines kleinen Dorfes nun endlich bekommen habe. Es ist ein Harmas. So nennt man hier steinige, von Thymian überwucherte Brachen." Mit dem Harmas verwirklichte Fabre 1879 seinen Traum, ein Insektenparadies zu schaffen, in dem er ungestört und ohne lange Wege das Verhalten der Insekten beobachten konnte. Heute ist der "Harmas" als Teil des französischen Nationalen Naturhistorischen Museums der Öffentlichkeit zugänglich.

Der durch Fabres Harmas inspirierte Modellgarten möchte durch die Anlage und gemeinsame Betreuung eines Trockenbiotops mit heimischer Flora das Potential von Kleingartenanlagen nutzen und fördern, gemeinsam dem Verlust von Artenkenntnis entgegenzuwirken. Er eröffnet einen Ort, an dem wir in Fabres Sinne „mit liebevoller Begeisterung und Wissensdrang“ unsere „tierischen und pflanzlichen Mitlebewesen“ beobachten können.

Die temporäre Ausstellung zum HARMAS KGV ist Teil des vom Kunsthaus Dresden initiierten Langzeitprojektes Neue Nachbarn. Entwickelt, gefördert und nachhaltig fortgeführt im Rahmen von Nachbarschaften als Teil der Bewerbung Dresdens um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2025.