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IBRAHIM MAHAMA | VANISHING POINTS 2014 - 2020

04.04.2020 - 06.06.2020

ERÖFFNUNG: SAMSTAG, 4. APRIL 16 - 20 UHR
LEIPZIG | 04179 SPINNEREISTRASSE 7
BUCHPRÄSENTATION UND ARTIST TALK: 23. MAI

Für seine monumentalen Kunstwerke wiederbelebt Ibrahim Mahama ausrangierte Materialien aus kommerziellem Handel und dem Alltag Ghanas - von zerschlissenen Jutesäcken über Schulmobiliar, Schuhputzkästen, bis hin zu getrockneten Fischskeletten. Aus urbanen Umgebungen bezieht er die Werkstoffe für seine vielschichtigen Materialassemblagen die Themen von Warenverkehr, Migration und wirtschaftlichem Austausch verhandeln. Mahama weist dem Allgegenwärtigen und Alltäglichen Bedeutung zu, und beschreibt ein komplexes Archiv der Weltgeschichte und ihrer Fehlentwicklungen.

Bekannt ist der Künstler vor allem für seine architekturbezogenen Großinstallationen für die er ganze Gebäude - Theater, Museen und andere monumentale Wahrzeichen - in sein Markentextil hüllt: benutzte Jutesäcke. Hergestellt in Südostasien und verwendet, um Kakao, Kaffee, Reis, Bohnen und Holzkohle auf der ganzen Welt zu vertreiben, werden die Säcke während ihrer Lebensdauer vielfältig eingesetzt. Jeder Sack wird von unzähligen Webern, Packern und Verladern angefasst, die ihren Schweiß, aber auch Namen, Daten und Koordinaten auf dem Stoff hinterlassen. In Zusammenarbeit mit lokalen Mitarbeitern näht Mahama diese Jutesäcke zu gewaltigen Stoffplastiken zusammen. Im Material manifestieren sich die Spuren von Welthandel, dem immer auch Ungleichheit und Ausbeutung innewohnen. Mahama sagt: „...mich interessiert, wie Krise und Versagen in diesem Material aufgefangen werden, mit einem starken Bezug zu globalen Transaktionen und wie kapitalistische Strukturen funktionieren“.

Ibrahim Mahama, 1987 in Tamale, Ghana, geboren, lebt und arbeitet zwischen Accra, Tamale und Kumasi. Der Künstler bezieht sich in seiner Arbeit häufig auf sein Land und dessen Geschichte und leistet einen wichtigen Beitrag zur aufstrebenden zeitgenössischen Kunstszene des Landes. Im Jahr 2017 gründete er das privat finanzierte Savannah Center for Contemporary Art (SCCA) in Tamale, das Ausstellungs-, Bildungs- und Forschungszentrum, Kulturspeicher und Künstlerresidenz ist.

Mahama war in der 56., 57. und 58. Ausgabe der Biennale von Venedig (2015-2019) vertreten; Seine Arbeit »A Straight Line Through the Carcass of History 1649« war ein zentraler Bestandteil des ghanaischen Debütpavillons im Jahr 2019. Zur documenta 14 (2019) in Kassel und Athen hüllte der Künstler historische, öffentliche Gebäude und Plätze für Installationen und Performances in Kohlesäcke und Planen. Im selben Jahr ersetzte er in einer Intervention für die Frieze Sculpture, die 192 UN-Flaggen die den Rockefeller Plaza in New York flankieren durch Fahnen aus Jutesäcken. Weitere wichtige internationale Ausstellungen fanden in der Norval Foundation in Kapstadt (2019); im K21, Düsseldorf (2015); im The Broad, Michigan (2015); und im Tel Aviv Art Museum, Israel (2016) statt.

In 2020 wird Mahama unter anderem an der Sydney Biennale teilnehmen und eine neue ortsspezifische Installation für R E I T E R in der Spinnerei - einer historischen Baumwollspinnerei in Leipzig - realisieren. Es wird die erste Solo-Galerie-Ausstellung des Künstlers in Deutschland sein. Sie beginnt am 4. April 2020. Zum Ende der Ausstellung erscheint eine Dokumentation in Buchform.