press release only in german

John Akomfrah
21.02.2020 - 19.04.2020
Hauptraum

Der Filmemacher und Drehbuchautor John Akomfrah untersucht in seinen atmosphärischen Filmen dieStruktur von Erinnerung, die Erfahrungen von Migranten in ihren Diasporen und die historischen,gesellschaftlichen und politischen Hintergründe des Postkolonialismus. Als Gründungsmitglied deseinflussreichen Black Audio Film Collective (1982–1998) arbeitet er bis heute mit seinen Künstler-gefährten David Lawson und Lina Gopaul zusammen. Schon früh etablierte er den vielschichtigenvisuellen Stil seiner filmischen Essays, für die er Archivmaterial aus verschiedenen historischen Epochen,Texte aus literarischen und klassischen Quellen und neu gefilmte Sequenzen kombiniert und aufpoetische Weise ineinander schneidet. Seine filmischen Montagen widersetzen sich dabei stets einereinzelnen Erzählung oder historischen Chronologie. Vielfach bestehen die immersiven Videoinstallationendes Künstlers auch aus mehrkanaligen Bildkompositionen, in denen er mittels Gegenüberstellungen undDialogen zwischen den Bildern und Sounds die unterschiedlichen Momente und Erzählungen auslotet.Indem Akomfrah in seinen Filmen sein persönliches ebenso wie das kollektive Gedächtnis reflektiert,macht er globale Realitäten sichtbar. Eines seiner wiederkehrenden Motive ist Wasser, das alsGedächtnisspeicher fungiert und in seiner unermesslichen Form des Ozeans jenen Ort bezeichnet, aufdem die kolonialen Eroberungen und der transatlantische Sklavenhandel ebenso Form annahmen wieheutige Migrationsbewegungen.

In seiner jüngeren FilmtrilogieVertigo Sea (2015),Purple (2017) undFour Nocturnes(2019) fokussiert derKünstler außerdem auf den Klimawandel und verhandelt die komplexen Verflechtungen zwischen derZerstörung der natürlichen Welt durch die Menschheit und deren Selbstzerstörung. So stellt er beispielweise die Grausamkeit der Walfangindustrie Szenen jener epischen Überquerungen des Ozeansgegenüber, die viele Generationen von Migranten für ein besseres Leben unternommen haben.John Akomfrah, geboren 1957 in Accra, Ghana, lebt in London.

Das Ausstellungsprogramm wird vom Vorstand der Secession zusammengestellt.

Kuratorin: Annette Südbeck