Augarten, Wien

TBA21 - THYSSEN-BORNEMISZA AUGARTEN | Scherzergasse 1a
A-1020 Vienna

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Kurt Kren (1929-1998) zählt zu den wichtigsten Vertretern der internationalen Filmavantgarde und gilt als Wegbereiter des strukturellen Films. Schonungslos kritisiert er durch eine kompromisslose künstlerische Haltung die verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen im Nachkriegsösterreich.

Nach Informel, Tachismus und abstrakten Expressionismus zeigte sich in den 50er und 60er Jahren in der Kunst ein neues Interesse an der Tatsächlichkeit der menschlichen Existenz. Die Frage nach dem Material, und wie mit ihm ästhetisch gearbeitet wird, trat mit einer Fokusierung auf wahrnehmungs-psychologische Prozesse erneut in den Vordergrund.

Kurt Krens frühe experimentelle Filme bearbeiten Form und Materialität des Mediums Film und analysieren Wahrnehmungs-vorgänge, indem Sehgewohnheiten subversiv unterlaufen werden.

Die Direktheit der Bilder, seine rasante Schnitttechnik und die präzise Konzeption der filmischen Aufnahme und Montage mittels Partituren rücken seine Arbeiten in die Nähe der „konkreten Poesie“ Konrad Bayers. Neben den eigen Werken kommt es zu Kooparationen mit Künstlerfreunden, wie Padhi Frieberger, Marc Adrian, Peter Kubelka, Hans Scheugl und Ernst Schmidt jr.. Zu einer Radikalisierung seiner ästhetischen und existentiellen Positionen führt die Zusammenarbeit mit den Wiener Aktionisten Otto Mühl und Günter Brus.

Ihren Höhe- und Endpunkt findet diese Partnerschaft in dem Happening „Kunst und Revolution“, 1968 in der Aula der Wiener Universität. In der Folge werden Kurt Krens Werke beschlagtnahmt und er verliert seine Anstellung bei der Österreichischen Nationalbank.

Kren muss Österreich verlassen und geht in die USA. Das erzwungene Exil fördert die künstlerische Verbreitung seiner Werke. Er ist einer der wenigen österreichischen Künstler, die noch zu Lebzeiten internationalen Kultstatus erreichen. So widmen die beiden amerikanischen Künstler Mike Kelly und Paul McCarthy dem Filmemacher 1998 eines ihrer Werke und in Christoph Schlingensief „100 Tage von Bottrop“ (1996) steht Kren hinter der Kamera und tritt als Schauspieler auf.

Das Atelier Augarten widmet Kurt Kren die erste monografische Ausstellung in musealem Kontext und setzt damit seine Reihe von Ausstellungen fort, in deren Zentrum die Klassiker der österreichischen Avantgarde stehen. Den Schwerpunkt der Werkschau bildet das Frühwerk des Filmemachers und darin eingeschlossen die filmischen Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Künstlerkollegen, wie den Wiener Aktionisten. Neben ausgewählten Filmbeispielen sind Kaderpläne, Skizzen und Fotografien zu sehen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Sonderzahl mit Texten u.a. von Jacques Aumont, Malcom Le Grice, Alexander Horwath, Theo Ligthart und Thomas Trummer.

Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum statt.

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Kurt Kren: Das Unbehagen am Film
Kurator: Thomas D. Trummer