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„entspanntes Feld“ bezeichnet den spannungslosen Zustand, bei dem keine Bereitschaften des Ernstverhaltens wie Hunger, Müdigkeit, Angst usw. (...) aktiviert sind. Nur im entspannten Feld können sich die Verhaltenstendenzen der Explorations- (Erkundungsverhalten) und Spielbereitschaft (...) durchsetzen (...). (aus: Lexikon der Biologie, Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag 1998)

Ein raumfüllendes schwebendes Wattefeld empfängt den Besucher beim Betreten der Galerie. Kaum schafft man es, den schmalen noch verbliebenen Gang am Feld entlang zu gehen, ohne das Gefühl zu haben hineingezogen zu werden: Watte repräsentiert für Gostner das Weiche, Formbare, das er mit dem historisch Unpräzisen der offiziellen Geschichtsschreibung wie auch der persönlichen Erinnerung verbindet. Das sinnliche und assoziativ hoch besetzte Material steht für ein imaginäres Reservoir von unbewussten, vergessenen Geschichten und Erinnerungen und bezeichnet Gostners konzeptuelle Verfahrensweisen: Martin Gostner dringt in das kollektive Gedächtnis ein, hinterfragt politische, soziale und kulturelle Phänomene. Geschichte wird nicht als linearer Vorgang, sondern als kreisender, sich wiederholender Prozess betrachtet. Im hinteren Galerieraum erwarten den Besucher zwei Arbeiten: „After my death“ (2003) ist ein Silikonabdruck des Gesäßes des Künstlers, der zum Trink- und Badebassin für Singvögel umfunktioniert wurde, die sich als Dekorations-Attrappen in einem darunter befindlichen Plexiglas-Sockel befinden. „After my death I would like to be a paradise for birds“, steht in weißen Lettern auf dem Glas. Bei der zweiten Arbeit, „Geruch in seinem Modell (Bozner Seligkeit)“ (2005), die eigens für diese Ausstellung entstanden ist, handelt es sich um eine Duftskulptur. Die Tür zum Kasten ist nur einen Spalt weit geöffnet, sodass man nur ahnen kann, was sich drinnen befindet. Der Duft von frischer Wäsche strömt uns entgegen und entfacht ein Wechselspiel von Sinneserfahrung und Vorstellung. Martin Gostner’s Formensprache ist voller Andeutungen, es geht ihm um das Aufbrechen der vordergründigen Wirklichkeit, darum, den Blick auf das Dahinterliegende zu ermöglichen, ohne dieses freizulegen. Daraus ergibt sich ein spannungsgeladener Zwischenraum, in dem Interpretation und Sinngebung dem Betrachter lebst überlassen werden. Insofern sind die Arbeiten Gostners als Angebote an den Betrachter zu verstehen, sich mit seiner persönlichen und unserer kollektiven Vergangenheit, Aktualität und Zukunft auseinanderzusetzen.

Martin Gostner wurde 1957 in Innsbruck geboren. Seit Herbst 2004 leitet er eine Klasse für Bildhauerei an der Kunstakademie in Düsseldorf.

Wichtige Einzelausstellungen der letzten Jahre waren: Museum Folkwang, Essen, Of Milk And Honey. El Gato Ranch, Big Sur, Dear John. Gabriele Senn Galerie, Wien, Karma again (2003). Galerie im Taxispalais, Innsbruck, Seitlich aus der Requisite kommend (2002). Secession Wien, Kupferpfandl - und darüber. Neue Galerie Graz, steirischer herbst, All I See I Cover. Gabriele Senn Galerie, Wien, Entwürfe – Kupferpfandl (2001.) Rupertinum, Salzburg, Apparat für Sonntag. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, Video 14. (2000) Kunstraum Johann Widauer, Innsbruck, Leeres Haus, voll von Lärm (1999). Kölnischer Kunstverein, Erinnerung weich (1998). Galerie Hoffmann & Senn, Wien, Altes, liebes Schlachtfeld (1998). Villa Merkel / Bahnwärterhaus, Esslingen, öde Galle. Galerie Hamelehle & Ahrens, Stuttgart, Guten Tag, kaufen Sie auch Skulpturen? (1997). Galerie Giorgio Persano, Turin, Stepping Into the Shit of History. (1996). Studio Oggetto, Mailand, Vacant Posessions, Erratic Boulders. (1995). Ausgewählte Gruppenausstellungen sind 2005 Fundación Marcelino Botín, Santander, Blancanieves y los siete enamitos. Galerie im Taxispalais, Innsbruck, Arbeit*. - I.Biennale internazionale di scultura, Gorizia/Nova Gorica. Art Metropole,Toronto, Artist Books Revisited. 2004 Büro Friedrich, Berlin/ BAWAG Foundation, Wien, Funky Lessons. DaimlerChrysler Contemporary, Berlin, Foto, Video, Mixed Media 2. 2003 ZKM Karlruhe, Bankett. Neue Galerie Graz, M_ars Kunst und Krieg. 2002 Palais Tokyo Paris, Je veux, One Star Press.

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Martin Gostner: Ein entspanntes Feld