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Das Kunstmuseum Bonn ist ein Haus, das sich neben der Fokussierung auf die deutsche Kunst nach 1945 vor allem mit den bildkünstlerischen Medien, speziell mit der Malerei, auseinandersetzt. So befinden sich in der Sammlung wichtige Werkkomplexe von Sigmar Polke, Gerhard Richter und Blinky Palermo, die die Folie für die Auseinandersetzung mit internationalen Positionen der Malerei bilden.

Einer der bedeutendsten europäischen Maler der vergangenen Jahrzehnte ist nun sicher der 1930 in Deinze, Belgien, geborene Raoul De Keyser. Obwohl sein Werk ab den 80er Jahren eine internationale Resonanz erfuhr, fehlt es doch bislang an einer großen Überblicksschau in Deutschland, die die facettenreiche Entwicklung seines Œuvres zum Thema hat. Dies Manko will nun die Ausstellung im Bonner Kunstmuseum ausgleichen, deren knapp 50 Exponate 40 Schaffensjahre des Künstlers umfassen.

Die Ausstellung beginnt mit Arbeiten der 60er Jahre, in denen Raoul De Keyser eine Selbstverortung seiner Kunst betreibt. Motivisch betrachtet widmet sich der Autodidakt Themen seines unmittelbaren Umfeldes, den Fensteröffnern an seinem neuen Haus, dem Gartenschlauch, dem Fahrrad in seinem Garten und den Kreidelinien auf dem Fußballplatz vor seiner Haustür. Stilistisch orientiert er sich am Vorbild seines Landsmannes Roger Raveel und an der seinerzeit sehr präsenten Pop Art. Doch schon seine frühen Werke zeigen den hohen Reflektionsgrad seiner Kunst, die malerische Fragestellungen, das Verhältnis des Bildes zur Realität und die Konstitution eigener Bildwirklichkeiten in Betracht zieht. Fast zwangsläufig führt diese Ausrichtung Raoul De Keyser in den 70er und 80er Jahren zu geometrisierenden Ausdrucksformen, dann auch zur Monochromie, auf die dann in den späten 80er und 90er Jahren malerisch offene Ausdrucksweisen folgen.

So verfolgt sein Schaffen eine gänzlich undogmatische Sichtung des Felds der Malerei, die er mit intensiver Nonchalance betreibt. Raoul De Keyser ist ein Souverän der Malerei, der sein Schaffen nicht auf die Kultivierung eines Malstils konzentriert, sondern die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten von Malerei erkundet. Das macht den Reichtum auch der Bonner Ausstellung aus, die Leihgaben aus Europa und Amerika, aus Museums- und Privatbesitz zusammenführt und die Leistungsfähigkeit einer Gattung unter Beweis stellt, die einst das Leitmedium der Moderne war.

Die Ausstellung wird von der Vlaamse Overheid, Kunsten en Erfgoed, Brüssel, unterstützt. Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag.

Kurator: Dr. Christoph Schreier

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Raoul de Keyser
REPLAY
Gemälde 1964 - 2007
Kurator: Christoph Schreier