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Die Geschichte des Kunstmuseums Bonn als einer Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts beginnt 1949 mit der Erwerbung von Werken August Mackes und des Rheinischen Expressionismus. Dieser Teil der Klassischen Moderne besitzt für die Arbeit des Kunstmuseums bis heute eine zentrale Bedeutung. In drei Räumen der Sammlung werden Hauptwerke des Rheinischen Expressionismus dauerhaft präsentiert. Um neben der überragenden Stellung Mackes auch die Positionen der anderen weniger bekannten rheinischen Künstler differenzierter sichtbar zu machen, wird das Kunstmuseum Bonn in einem lockeren halbjährlichen Wechsel jeweils eine Werkauswahl von Künstlern wie Hans Thuar, Paul Adolf Seehaus, F.M. Jansen, Heinrich Nauen, Franz Seraph Henseler, Heinrich Campendonk und anderen auf einer Wand in der Sammlung zusammenführen. Begleitet von Informationen zu Leben und Werk, werden neben Gemälden auch grafische Arbeiten und Dokumente wie Fotos und Briefe aus der Sammlung des Kunstmuseums Bonn gezeigt.

Nachdem die Reihe mit dem Werk von Hans Thuar begonnen wurde, findet sie nun ihre Fortsetzung mit Paul Adolf Seehaus.

In den wenigen Jahren seines Schaffens hat sich Paul Adolf Seehaus vor allem mit dem Thema der Landschaft auseinandergesetzt. An der menschlichen Figur und am Stillleben war er kaum interessiert. Er fand seine Motive in der rheinischen Umgebung, aber auch in den einsamen Naturräumen Englands und Irlands. Seine tiefe Verbundenheit mit der Natur wurde dabei durchdrungen von einer gleichzeitigen Faszination für die Errungenschaften moderner Technik. So fügen sich Natur-, Architektur- und Industrieansichten auf eigenständige Weise zu dynamischen, visionären und poetischen Bildern der Welt zusammen.

Bedeutsam für Seehaus war der enge persönliche und schöpferische Austausch mit August Macke, dessen erster und einziger Privatschüler er zwischen 1911 und 1914 wurde. Seehaus bewunderte Macke, sah aber auch die Unterschiede ihrer Kunst. Gegenüber der Helle, Leichtigkeit und Freiheit, mit der Macke die wechselnden Erscheinungen des Lebens gestaltete, erarbeitete Seehaus sorgfältig und komplex gebaute Landschaftsbilder, die immer auch das Erlebnis des Mystischen und Transzendenten vermitteln sollten. „Wenn er Mozart ist, bin ich Brahms, nicht im Wert, aber in der Art“, schrieb Seehaus über sein Verhältnis zu Macke.

Bis 1912 dominieren in den Bildern noch Einflüsse des Fauvismus. Der Besuch der Sonderbund-Ausstellung, bei der Seehaus der französischen Avantgarde begegnete, und vor allem der Eindruck der Futuristen, die im Kunstsalon Otto Feldmann ausstellten, geben der weiteren Entwicklung seiner Kunst eine neue Richtung. Sie wird deutlich in dem Bild Leuchtturm mit rotierenden Strahlen von 1913, das eine Küstenlandschaft im Westen Englands darstellt. In seiner kantigen Tektonik und der Reduzierung der Farbe zugunsten der Form verarbeitet es kubistische und futuristische Anregungen. Der Leuchtturm mit rotierenden Strahlen definiert besonders klar die eigene Qualität der Bilder von Seehaus, indem es die kreisenden Lichtellipsen des Leuchtfeuers mit einem nachtblauen der Zeit enthobenen Sternenhimmel, damit die zeitgenössische Begeisterung für die Darstellung von Bewegung mit einem romantischen Landschaftserlebnis verschmilzt.

Seit 1914 entsteht eine große Zahl genau durchgearbeiteter Radierungen. Diese Technik ermöglicht Seehaus Bilder zwischen gläserner Schärfe, empfindlicher Transparenz und kompakter Dichte. Offenbar wirkt die Auseinandersetzung mit der Radierung auf die Malerei von Seehaus zurück, in der er eine Einheit von kristallin organisierter Formrhythmik und einfühlender Landschaftsdarstellung herstellt. In den späten Aquarellen findet Seehaus nochmals einen eigenen Klang, entfaltet die Farbe in durchlichteten und eng verwobenen Flächenordnungen.

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Rheinische Expressionisten - Paul Adolf Seehaus
Eine Reihe des Kunstmuseum Bonn, Teil 2