press release only in german

Romy Rüegger
The Moving Body
The Listening Body
Moving through wires of wind

2.10. – 29.11.2020
Eröffnung: Donnerstag, 1. Oktober 2020, 19 Uhr

Wir freuen uns, im Herbst die Künstlerin Romy Rüegger mit einer ersten umfassenden Ausstellung in Deutschland zu zeigen. Rüegger arbeitet als Künstlerin und Autorin. Ihre Formate reichen von Performances über Audio-Installationen hin zu choreografierten Räumen – oftmals in kollaborativen Stukturen. Sie verbindet Archivarbeiten, Recherchen und zeitgeschichtliche Zusammenhänge mit dem Format der Performance, das auf Displays weiterentwickelt wird – die Ausstellung wird von der Performance her gedacht und als Körperraum oder Körperzeit gedeutet.

Romy Rüegger verfasst zudem experimentelle Audio-Arbeiten, inszeniert Gespräche, Notationen und Texte, die bereits mehrfach aufgeführt, gelesen, publiziert und ausgestrahlt wurden. Einige davon sind in der kürzlich von ihr veröffentlichten Publikation Language as Skin – Scripts for Performances erschienen. Mit assoziativen, zwischen poetischen und dokumentarischen Zugängen wechselnden Material-Text-Konstellationen eröffnet Rüegger radikale Sichtweisen auf unsere (feministische) Gegenwart und fordert ein kontinuierliches Re-reading von Konventionen, festgeschriebenem Wissen in Dokumenten sowie Leerstellen tradierter Geschichtsschreibung. Dieses Re-reading versteht sie als „Arbeit im Jetzt“, als eine temporäre räumliche Setzung, die nicht abgeschlossen sein kann.

Im Badischen Kunstverein zeigt Romy Rüegger aktuelle Arbeiten, die sie für die Ausstellung weiterentwickelt. Ihre kritische Untersuchung von Heimarbeit und Reproduktionsarbeit, industrialisierter Fabrikarbeit, Arbeitsmigration sowie von kolonialen Produktions- und Handelsverhältnissen verbindet die verschiedenen Projekte miteinander. A Fabric in Turkey Red ist eine fortlaufende, recherchebasierte Performance mit installativen Elementen und thematisiert beispielsweise die geschlechtsspezifischen und kolonialen Ausprägungen der industrialisierten Textilproduktion im 19. Jahrhundert. Damit verquickt sind Fragen des globalen Handels, sogenannte „Stumme Kolonialismen“, Arbeitsrechte von Frauen und Kindern, frühe Arbeiterinnenstreiks, aber auch der Webstuhl als erste Rechenmaschine und die Bedingungen und Architekturen digitaler Heimarbeit in ehemaligen Textilfabriken.

Kuratiert von Anja Casser