Augarten, Wien

TBA21 - THYSSEN-BORNEMISZA AUGARTEN | Scherzergasse 1a
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Seit den späten sechziger und frühen siebziger Jahren wählt VALIE EXPORT Fotografie oftmals als Kombination mit ihren Performances und Installation oder diesen vorausgehend. Das experimentelle Interesse der Künstlerin an seiner Form beziehungsweise seiner Stofflichkeit kann man wohl am deutlichsten an den Serien konzeptueller Fotografie erkennen. Die Fotografie zeigt sich in den Arbeiten VALIE EXPORTs als eine symbolische Ordnung, die Darstellungen nach spezifischem Muster produziert. Die frühen konzeptuellen Arbeiten lassen sich wie eine Erforschung dieser Modi lesen. Das Ziel ist eine Darstellung auf denkbar vielschichtigen Ebenen, um den BetrachterInnen möglichst viele Assoziationen zu ermöglichen.

Es entstehen Serien von Fotografien, welche sich mit der Kombination von Bild und Sprache - einer Art „Foto-Literatur“ - beschäftigen, wie im 1973 entstandenen „Schriftzug“. Das Wortspiel, ein spielerischer Exkurs ins Semantische, besteht aus einer fünfteiligen Fotoserie eines realen Zuges, in der Nahsicht noch mit dem Wort „Schriftzug“ lesbar, dann in mehreren Distanzen in einer klar erkennbaren Montage in die Ferne entschwindend. In ähnlicher Weise entstehen im selben Jahr „Perspektiv-Studien“ zum Objekt „Leiter“. Den Fotomontagen gehen immer wieder detailliert ausgearbeitete Zeichnungen auf Papier voraus, in welchen die Ansichten der betreffenden Gegenstände analytisch untersucht und aufgesplittet werden, wodurch sich eine Verschiebung bzw. ein Bruch in der Perspektive ergibt.

In einer weiteren Serie aus den Jahren 1973/74 befasst sich VALIE EXPORT mit der Konnotation einzelner Worte. Ebenso wie in den zeitgleich entstandenen Fotografien wird dem Betrachter die Bedeutung eines Wortes auf mehreren Ebenen vor Augen geführt. In „zeichnen“, 1974 findet sich das genannte Wort innerhalb einer mit Bleistift schraffierten Fläche so zu sagen als „Radierung“ wieder. In einer anderen Zeichnung, welche den Titel „auf und ab“ trägt, werden die drei genannten Worte mit schwarzer Tusche auf Papier in der Bedeutung, welche sie zum Inhalt haben, auf das Blatt geschrieben.

VALIE EXPORT, geboren 1940 in Linz, ist Medienkünstlerin, Performancekünstlerin, Filmemacherin. Ihre künstlerischen Arbeit beschäftigen sich unter anderem mit Video Environments, digitalen Fotografien, Installationen, Body Performances, Experimental- und Dokumentarfilmen, Expanded Cinema, mit konzeptueller Fotografie, Körper-Material-Interaktionen, Computerarbeiten, Laserinstallationen, Zeichnungen, Objekten und Skulpturen. EXPORT lebt in Wien und Köln, ist Mitglied des Uni-Rates der Kunstuniversität Linz und seit kurzem auch Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

Seit 1973 verfasste die Künstlerin zahlreiche Publikationen zur zeitgenössischen Kunst, seit 1968 nahm sie an bedeutenden internationalen Ausstellungen teil beziehungsweise zeigte ihre Arbeiten in Einzelausstellungen (u.a. Biennale di Venezia; Centre Georges Pompidou Paris; Museum of Modern Art New York; Institute of Contemporary Art ICA London; documenta Kassel; Biennale de Paris; Museum Moderner Kunst, Wien; steirischer herbst Graz; Metropolitan Museum New York).

Ab 1980 kann EXPORT interdisziplinäre Gastprofessuren für Film, Video, Performance, Installation (Theorie, Praxis) an verschiedenen amerikanischen und europäischen Universitäten aufweisen. 1985 wird die Künstlerin schließlich für den Goldenen Bären der Internationalen Filmfestspiele Berlin für den Spielfilm „Die Praxis der Liebe" nominiert. Von 1991 bis 1995 hat sie eine Professur für „Gestalten mit technischen Bildern“ an der Hochschule der Künste Berlin, wo sie in den abschließenden Jahren 1994/95 das Amt der Vizepräsidentin bekleidet.

Im Jahr 2000 erhält VALIE EXPORT den Oskar Kokoschka-Preis, Wien. Aus politischer Haltung weigert sie sich jedoch, den Preis durch ein Mitglied der schwarz-blauen Bundesregierung entgegen zu nehmen. Der Preis wird durch den Vorsitzenden der unabhängigen Jury übergeben.

Die erste Einzelausstellung in Frankreich im Pariser Centre national de la photographie 2003 wird nun 2004 vom Centro Andaluz de Arte Contemporáneo in Sevilla übernommen und gibt einen Überblick über EXPORTs künstlerisches Schaffen von 1965 bis heute.

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VALIE EXPORT - Serien
Die Ausstellung ist eine Beschäftigung mit dem Thema "Serie" im Ouvre VALIE EXPORT
Kurator: Thomas D. Trummer