Klara Wallner Galerie

Rudi-Dutschke-Strasse 26
10969 Berlin

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Was ist Ausdruck? Sich mitteilen oder nicht, das ist die alles entscheide Frage in der Moderne. (...) Golder´s Arbeit offenbart einen faszinierenden inneren Widerspruch: Obwohl expressiv, enthält sie nur wenig von der metaphysisch aufgeladenen „Abstraktion und Einfühlung“ eines Wilhelm Worringer. Es fehlt das Streben nach dem Primitiven oder Instinkthaften, ebenso wie die archaischen Ikonografien, die für die zweite, Beckmannsche Phase des Weimarer Expressionismus charakteristisch waren. In den Bildern von Golder fällt ein scheinbar unvermitteltes, spontanes Setzen von Schrammen, Kratzern und anderen Markierungen auf. Doch diese sind tatsächlich eher Zeichen einer energischen Materialbeherrschung. Sie entspringen dem Bedürfnis des Künstlers, sich von seinem Gegenstand und von den vielen, aus Fotografien, Videos oder aus dem Internet stammenden Motiven nicht überwältigen zu lassen. Andreas Golder ist ein Künstler, der sich dem oberflächlichen Kitzel der instinktiven Eingebung bewusst verweigert.

Die aktuelle Ausstellung „satt # 2, powerd by emotion“ ist die Fortsetzung der Schau „satt # 1, powerd by emotion“, die vor aus kleinformatigen Arbeiten bestand (September und Oktober 2006). Während bei den kleinen Werken noch die Tendenz zur Serialisierung dominierte, geht Golder bei den größeren Formaten stärker von kompositorischen Überlegungen aus. Die Bilder stehen zwar nicht als völlig autonome Einzelwerke da, sind aber auf die Einzigartigkeit ihrer jeweiligen Inhalte fokussiert. Zugleich spielen die Arbeiten immer wieder mit Golders Dauerthema des malenden Malers. Der Künstler verliert bei der Arbeit nie die Tatsache aus dem Blick, dass hier gerade ein Maler ein Bild macht. Er entgeht auf diese Weise einer Haltung der träumerischen Selbstaufgabe und des vordergründigen Eskapismus. (Golder kreiert immer wieder) Arbeiten (die) in ihrer räumlichen Konstruktion eindeutig an Bacon angelehnt sind – wenn auch, (hier und da), gebrochen durch die Integration von Textelementen. Golder hat seine Bewunderung für den britischen Künstler nie verleugnet, und sein komisches Repertoire der Gesichter, Augen, Zähne, Nasen und anderen Körperöffnungen tauchen (stets wieder auf). (...) Golders Strategie, jede aufkommende Homogenität sofort zu unterlaufen, ist ein auffallendes Merkmal seiner Arbeit, ihm sind die Zwänge des „Stils“ so zuwider, dass er sich der Malerei von vornherein auf eine polyphone Weise nähert. Dennoch gibt es immer wiederkehrende Elemente, etwa die grellen und manchmal fast irisierenden Tertiärfarben, sein zunehmend variantenreiches Arbeiten mit den erwähnten Schrammen und Kratzern, sein Verwischen der Grenzen zwischen Flächen und figurativen Darstellungen, sowie die abwechselnd das Material zelebrierenden oder expressiven Malweisen. „satt # 2, powerd by emotion“ macht deutlich, wie sehr der in Russland geborene, junge deutsche Künstler seine eigene Stimme gefunden hat und dabei ist, ein ihm eigenes malerisches Vokabular zu verfeinern. * (Mark Gisbourne)

Andreas Golder
satt # 2, powerd by emotion