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Wir freuen uns mit Harun Farocki einen der profiliertesten Dokumentarfilmer und Medienkünstler Deutschlands zu Gast zu haben. In vier Filmessays dokumentiert Farocki die Ausbildung von Soldaten an US-Militärstützpunkten. Darin stellt er den Bildern, die in den jeweiligen Schulungszentren aufgenommen wurden, Sequenzen aus den dort eingesetzten Computersimulationen gegenüber. Diese haben den Charakter von Computerspielen, sind jedoch nach realen Koordinaten und Satellitendaten des Irak bzw. Afghanistans modellierte virtuelle Kampfgebiete. Die gleichen Programme, mit denen die Soldaten auf ihren Einsatz im Krieg vorbereitet werden, dienen anschließend auch der Therapierung von dort erlittenen Traumata.

Der Künstler ist anwesend.

We are very pleased to have Harun Farocki as our guest – one of Germany’s most renowned documentary film maker and media artist. In four film essays Farocki documents training methods at United States military facilities. Farocki juxtaposes footage filmed at the respective trainings centers, with sequences from computer simulations used in the training there. The computer animations look like games but in fact depict virtual battlefields generated from actual geographical and satellite data on terrain in Iraq and Afghanistan. The same programs that serve to prepare military personnel for deployment in war zones are later used as therapy in the treatment of Post Traumatic Stress Disorder.

The artist is attending.

Ernste Spiele I: Watson ist hin, 8 min, 2010 Im Herbst 2009 filmt Farocki eine Übung auf dem Marine-Stützpunkt 29 Palms, Kalifornien. Vier Marines in einem Klassenraum stellten die Besatzung eines Panzerfahrzeugs dar. Sie haben Laptops vor sich, mit denen sie das eigene Fahrzeug durch eine computeranimierte Landschaft lenken und andere des Verbandes sehen können. Das simulierte Afghanische Gelände geht auf reale geografischen Daten Afghanistans zurück. Eine Straße in der Computer-Landschaft verläuft so, wie sie auch im wirklichen Afghanistan verläuft; das gleiche gilt für jeden Baum, den Bewuchs des Bodens oder die Höhenzüge. Der Ausbilder platziert Sprengsätze und setzt im Gelände „insurgents“ - Aufständische - aus. Ein Heckenschütze erschießt den Bordschützen des Panzers, den Farocki mit der Kamera dokumentiert. Wenn ein Panzerfahrzeug über das Brachland fährt, wirbelt es einen Staubschweif auf. Je mehr Bewuchs es gibt, desto weniger Staub. Auf der Asphaltstraße gar kein Staub. Bei all dieser Treue im Detail ist der Tod im Computerspiel etwas anderes als der reale.

In the autumn of 2009 Farocki films a drill at the Marine Corps Base 29 Palms in California. Four Marines sitting in a class represent the crew of a tank. They have laptops in front of them on which they steer their own vehicle and watch others in the unit being driven through a Computer-AnimationLandscape. The simulated Afghan is based on geographical data out of Afghanistan. A street in the computer landscape runs exactly as it would in the real Afghanistan; the same holds for every tree, the vegetation on the ground or the mountain ranges. The instructor places explosive devices and sets insurgents out in the area. A sniper shoots the tank gunner, which Farocki documents with the camera. When the tank drives over the fallow it kicks up a dust tail. The more vegetation there is, the less dust. On the asphalt street, no dust. Even with all this attention to detail, death in the computer game is still something different than the real one.

Ernste Spiele II: Drei tot, 8 min, 2010 Ebenfalls in 29 Palms nimmt Farocki eine Übung mit rund 300 Statisten auf, die die afghanische und irakische Bevölkerung repräsentierten. Ein paar Dutzend Marines stehen Wache und gehen auf Patrouille. Die Manöverstadt liegt auf einer leichten Anhöhe in der Wüste, ihre Gebäude sind aus Containern zusammengesetzt. Das sieht aus, als habe man die Wirklichkeit einer Computer-Animation nachgebildet.

Again, in 29 Palms, Farocki embarks on an exercise with around 300 extras who represented both the Afghan and Iraqi population. A few dozen Marines were on guard and went out on patrol. The town where the manoeuvre is carried out is on a slight rising in the desert and its buildings are made from containers. It looks as though one had modelled reality on a computer animation.

Ernste Spiele III: Immersion, 20 min, 2010 Im Januar 2009 besucht Farocki einen Workshop der vom Institute for Creative Technologies, ein Forschungszentrum für Virtual Reality und Computersimulation organisiert wird. Es geht um die Behandlung von Soldaten und ehemalige Soldaten, die im Krieg traumatisiert wurden. Die Immersions-Therapie lässt den traumatisierten Patienten das Schlüsselerlebnis wiederholen, nacherzählen und nacherleben. Virtual Iraq , kurz VI, ist ein Computer-Animations-Programm, mit dem die Immersion: das Eintauchen in das Angst machende Erlebnis erleichtert oder verstärkt werden soll.

In January 2009 Farocki visits a workshop organised by the Institute for Creative Technologies, a research centre for virtual reality and computer-simulations. One of their projects concerns the development of a therapy for war-veterans suffering from Posttraumatic Stress Disorder. Farocki is interested in the use of virtual realities and games in the recruiting, training and now also therapy for soldiers. Farocki explores the connection between virtual reality and the military – how the fictional scenarios of computer games are used both in the training of U.S. troops prior to their deployment in combat zones, and in psychological care for troops suffering battlefield trauma upon their return.

Ernste Spiele IV: Eine Sonne ohne Schatten, 8 min, 2010 Dieses Kapitel untersucht die Tatsache, dass die Bilder, mit denen auf den Krieg vorbereitet wird, so sehr denen ähneln, mit denen der Krieg nachbereitet wird. Es gibt allerdings einen Unterschied: das Programm zur Erinnerung traumatischer Erlebnisse ist etwas billiger. Nichts und niemand wirft hier einen Schatten.

This chapter investigates the fact that the pictures with which preparations were made for war are so very similar to the pictures with which war was evaluated afterward. But there is a difference: The program for commemorating traumatic experiences is somewhat cheaper. Nothing and no-one casts a shadow here.

(Eintritt frei | admission free)

Videoart at Midnight
a project by Olaf Stüber and Ivo Wessel

41: Harun Farocki

Friday, Jan 25th, 2013, 24:00
Ort: BABYLON, Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin