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CARROLL DUNHAM / ALBERT OEHLEN. BÄUME / TREES
30.11.2019 – 01.03.2020

Die weltweit renommierten und gerade für eine jüngere Generation von Künstlern enorm einflussreichen Maler Carroll Dunham aus den USA (1949 in New Haven, Connecticut, lebt dort und in New York) und Albert Oehlen (1954 in Krefeld, lebt in Gais, Schweiz) stellen erstmals gemeinsam aus. Beide Künstler kennzeichnet ein äußerst eigenständiges und komplexes Œuvre. Beiden ist gemein, dass sie innerhalb selbst gesteckter Parameter immer wieder die Möglichkeiten der Malerei testen, dass sie unermüdlich Zeichen setzen und Spuren verwischen und dabei in ungemein eigenständiger Weise mit Techniken, Oberflächen und Strukturen experimentieren.

Nirgends wird dies deutlicher als bei dem gemeinsamen Sujet der Bäume, das beide Künstler mehrfach in ihrem Werk aufgenommen und für sich ausformuliert haben. Während Bäume bei Albert Oehlen blattlos kahl, mitsamt Wurzeln den Bildraum dominieren und zum figurativen Anstoß abstrakter Bilder werden, ist der Baum bei Carroll Dunham mal blühend, mal vom Wind gepeitscht, dann wieder frisch gefällt und tot zu sehen.
In der Zusammenführung von Dunham und Oehlen, die im jeweiligen Kollegen den „wahrscheinlich besten Baum-Maler der Welt“ sehen, lassen sich ausgehend vom Sujet des Baumes unzählige philosophische, theologische, soziologische, ökologische und natürlich kunsthistorische Betrachtungen ableiten. Vom biblischen Baum der Erkenntnis und damit dem Ort des ersten Sündenfalls bis zum Lieblingsmotiv der Romantiker, von der radikal-modernistischen Fragmentierung durch Piet Mondrian bis zur Pflanzung der 7.000 Eichen durch Joseph Beuys – der Baum ist immer wieder ein zentrales Motiv unserer Religions-, Geistes- und Kulturgeschichte.

Wenn Carroll Dunham und Albert Oehlen den Baum ein ums andere Mal zu ihrem zentralen Motiv erklären, sind ihnen all diese kultur- und kunsthistorischen Bezüge natürlich bewusst. Und doch wird der Baum für sie zum Anlass purer Malerei, zum Ort des unermüdlichen Experiments, zu einem Testfall für die immer noch nicht erschöpften Potentiale eines uralten analogen Mediums. Letztlich geht es um die Frage nach der Abstraktion von Welt und für Dunham und Oehlen damit um nichts weniger als den visuellen Sinn des Lebens in der Kunst.

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BEGLEITPROGRAMM:

Familientag
Sonntag, 8. Dezember 2019
13.30 Uhr: Öffentliche Führung
13 bis 15 Uhr: Blattwerk
Offenes Atelier für Kinder ab 5 Jahren
Ohne Voranmeldung. Teilnehmerzahl begrenzt.
Eintritt und Programm frei
Informationen zum Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche finden Sie hier.

Direktorenführung
Donnerstag, 19. Dezember 2019, 17 Uhr
Führung im Eintritt inbegriffen

Öffentliche Führungen
Jeden Sonntag, 13.30 Uhr
Führung im Eintritt inbegriffen

Kunst im Gespräch / Art Talk
Jeden Samstag und an allen Familientagen, 15 – 18 Uhr
Weitere Termine entnehmen Sie bitte unserer Website.

WALD.INNERES
Ein Doppelporträt von Kunsu Shim und Gerhard Stäbler
Donnerstag und Freitag, 5. und 6. Dezember 2019, jeweils 19.30 Uhr

„Wie kann man erwarten, dass die Vögel singen, wenn ihre Haine gefällt werden?“ so schreibt der amerikanische Philosoph H. D. Thoreau. Der Wald ist nicht nur für Thoreau, sondern für uns alle der Ort, der „singt“. Das Singen ist Ausdruck des Inneren. Der Wald ist unser Inneres. Wenn der Wald schwindet, verlieren wir unsere Gesänge, damit unser Inneres. So bleiben nur das Äußere und das glatte Transparente. Ein Ort ohne Schatten. Ohne Schatten gibt es aber auch kein Licht.
Das Performance-Konzert WALD.INNERES verbindet Vokalwerke von Luigi Nono, Kunsu Shim, Gerhard Stäbler und Anton Webern mit einer Kollektivkomposition von Peter Androsch, Christian Barnasik, Peter Gahn, Christian Jendreiko, Nicolas Kuhn, Munsuk Lee, Arnold Marinissen, Bernd Preinkfalk und Linna Zhang und versucht im Kontext von Bildern der Maler Carroll Dunham und Albert Oehlen einen singenden Platz des Schattens zu entwerfen.
Alexandra von der Weth (Sopran) und Vokalensemble „ANIMA MUNDI“ (Roland Techet, Leitung)
Eintritt pro Termin: 8 €
Ermäßigt: 4 €
Nur Abendkasse, ab 19 Uhr geöffnet

NACHTFOYER
Mischa Kuball. res·o·nant

Dienstag, 10. Dezember 2019, 19 – 22 Uhr

Mischa Kuball im Gespräch mit Kathrin Dreckmann, Gregor Jansen und Gregor H. Lersch
Von November 2017 bis September 2019 pulsierte res·o·nant, eine konzeptuelle Licht- und Klanginstallation, durch die Libeskind-Architektur des Jüdischen Museums Berlin. In diesem Buch untersuchen und interpretieren 22 Denkerinnen, Künstlerinnen und Autor*innen das Werk Mischa Kuballs in den fünf thematischen Abschnitten Erfahrungsraum, Void, Klangraum, Licht und Stadtraum. In Kuballs Installation sowie dem begleitenden Performance-Programm wird Resonanz zum Gegenbegriff von Entfremdung in der Welt.
Mit Beiträgen von Christoph Asendorf, Juan Atkins, Horst Bredekamp, Diedrich Diederichsen, Kathrin Dreckmann, Shelley Harten, Norman Kleeblatt, Alexander Kluge, Mischa Kuball, Daniel Libeskind, Gregor H. Lersch, Léontine Meijer-van Mensch, W. J. T. Mitchell, Hans Ulrich Reck, Richard Sennett, Peter Weibel, Lawrence Weiner, John C. Welchman, Alena J. Williams