short biography

Kateřina Šedá, geboren 1977 in Brno/CZ, studierte an der Academy of Fine Arts in Prag.

http://www.kuenstlerhausbremen.de/kate-ina-ed-it-s-too-late-in-the-day

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"I try never to define my practice as "art", especially when I am trying to convince ordinary people to take part in my projects." Katerina Sedá

Die 1977 geborene Künstlerin Katerina Sedá dokumentiert mit Fotografie und Video die von ihr inszenierten Interventionen im Alltag von Familienangehörigen und Dorfbewohnern ihrer Heimat Tschechien. Diese werden selber zu Akteuren in Sedás vielschichtigen Kunstprojekten und durchbrechen damit in eigener Sache die Eintönigkeit, Gleichgültigkeit und Resignation des dort vorherrschenden sozialen Klimas. Sedás sorgfältig durchdachte Aktionen stiften Gemeinschaft, fördern Identifikation, Kommunikation und Zugehörigkeitsgefühl und überwinden damit persönliche oder gesellschaftliche Grenzen. Was im kleinen Familienverbund zu beobachten ist, darf auch in einen globalen Zusammenhang eingeordnet werden, wo zunehmende Individualisierung bei gleichzeitiger Ausbreitung von Machtstrukturen genauso zu sozialen Problemen führen. Die Künstlerin setzt in ihrer unmittelbaren Lebensumgebung Lösungsansätze um, auch weil sie der Verantwortung gegenüber ihrer Heimat nachkommen möchte.

Katerina Sedá erlangte 2008 internationale Aufmerksamkeit durch die Teilnahme an der Manifesta 7 und Berlin Biennale, sowie 2007 an der documenta 12. Hier zeigte sie ein Projekt, für das sie 1000 Hemden mit einem Plattenbaumotiv bedrucken ließ und diese paarweise an die Bewohner dieser großen Plattensiedlung in ihrem Geburtsort Brno-Lisen schickte. Daraufhin war es den Partien freigestellt, Kontakt zueinander aufzunehmen. Diese Aktion sollte deutlich machen, dass die Lebensqualität im frischrenovierten Wohnkomplex nicht nur äußerlich verbessert werden kann. In einem anderen Projekt, das als Wanderausstellung weltweit präsentiert wird, richtet sie die Aufmerksamkeit auf das Dorf Nosovice. Dort fand 2008 aufgrund des Baus eines Hyundaiwerks eine geografische und soziale Teilung in der Dorfmitte statt. Die Künstlerin griff dieses Problem auf, indem sie in Tischdecken, Haartüchern oder Kochhandschuhen eine mittige Aussparung in den Stoff einarbeitete. Um die "verlorene Mitte" symbolisch zu füllen, wird eine Haarsträhne der Trägerin durch das Loch der Haartücher gezogen und die Tischdecken können als Rock getragen werden. Der ursprüngliche Ausstellungstitel "Neddá se svítit" (Es ist kein Licht) wird in Redewendungen umgeändert, die zum jeweiligen Ausstellungsort passen. Im Nassauischen Kunstverein lief die Ausstellung 2011 unter dem Titel "Die Suppe ist gegessen". Dort erweiterte sie das Projekt, indem sie mit Wiesbadener Köchen nach Tschechien reiste, wo - metaphorisch für die Zukunft Nosovices - nach der Suppe nun das Hauptgericht serviert werden sollte. Die traditionellen Gerichte wurden auf ungeteilten Tellern neu angerichtet und nicht, wie sonst dort üblich, auf zwei Tellerhälften. Auf diese Weise wird jede Ausstellungsstation von Sedá umgestaltet, weiterentwickelt und ergänzt und die prozesshafte Entwicklung des Projekts soll erst beendet werden, wenn der Zusammenhalt im Dorf wieder hergestellt ist.


Charis von Ristok, kunstaspekte 2012

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