short biography

Artur Żmijewski (geb. 1966 in Warschau) nahm 2007 an der documenta 12 in Kassel teil.


Fotografie, Video


http://www.moma.org/calendar/exhibitions/961?locale=de

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Der Umgang des polnischen Videokünstlers Artur Zmijewski mit dem Bild des Menschen verweist auf seine Ausbildung in der Bildhauerklasse von Grzegorz Kowalski: Zmijweski seziert mit kühlem Forscherblick physische Behinderungen oder anderweitige Versehrtheiten, wobei sein Arbeiten mit dem Körper als Medium an seine frühen skulpturalen Werke erinnert. Die Fotoserie "Auge um Auge" (1998-2000), die Zmijeski bekannt machte, zeigt die hüllenlos abgelichteten, körperbehinderten Mitglieder einer ukrainischen Turnergemeinschaft, denen gesunde Menschen durch Überschneidungen mit ihren eigenen Leibern 'fehlende' Glieder leihen. Eine für Zmijeswkis Arbeiten typische Vorgehensweise ist das wiederholende 'Reenactment': Durch eine methodisch gewordene Neuinszenierung versucht Zmijewski den Verletzungen der Menschen zu begegnen. Eine einseitige Auflösung der Arbeiten mit kathartischem Effekt ist jedoch nur selten möglich, der vor existentielle Fragen gestellte Zuschauer bleibt mit seinen Verstörungen meist allein. Ohne Blick auf die Konventionen der Political Correctness und den darauf basierenden, tradierten Verhaltensnormen überschreitet der Provokateur Zmijewski die Grenzen wohl sublimierter gesellschaftlicher oder individueller Traumata, indem er mit künstlerischen Mitteln unseren Begriff von Normalität in Frage stellt. Obwohl die Arbeiten Artur Żmijewskis rein dokumentarischer Art zu sein scheinen, wird doch bei eingehender Betrachtung deutlich, wie sehr die Inszenierungen gesellschaftlicher Experimente mit analytisch scharfem Blick komponiert wurden - auch wenn er den Protagonisten seiner Filme, die er meist per Zeitungsannonce akquiriert, kaum Anweisungen gibt.


Häufig musste sich Zmijewski gegen den Vorwurf des Zynismus und der Respektlosigkeit wehren, weil er das Geschehen in seinen Filmen radikal aus den politischen und historischen Zusammenhängen löst. In der Videoarbeit «Berek» (1999) beispielsweise spielen nackte Menschen verschiedenen Alters fröhlich lachend in einem kahlen, fensterlosen Raum fangen. Erst im Abspann erfährt der Betrachter, dass einige der Szenen in der Gaskammer eines Konzentrationslagers aufgenommen wurden. Dank der behutsamen Inszenierung Zmijewskis jedoch rückt im Konfliktfeld von Kunst, Politik und lustvoll inszeniertem Tabubruch - trotz aller Kontroversen - die köperliche und seelische Integrität des Individuums in den Vordergrund.


Anna Katharina Schäfer, kunstaspekte 2012

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