short biography

Francis Bacon (born 1909 in Dublin, died 1992 in Madrid)

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Deformierte Körper, entstellte Gesichter und verzerrte Räume beherrschen die Ölgemälde des englischen Künstlers Francis Bacon ab den 50er Jahren. Sie befinden sich in ständiger Metamorphose, Formen entstehen und vergehen, die Räume fügen sich zusammen und brechen auseinander. Wo man gerade noch sicher einen Spiegel zu identifizieren glaubte, entdeckt man nun ein Fenster oder eine Tür. Ebenso verhält es sich mit den Figuren, deren Gesichter und Körper mit Energie aufgeladen und in ständiger Bewegung erscheinen. Bacon erschafft ein komplexes Spiel zwischen Figuration und Abstraktion, das den Betrachter verwirrt und fordert. Zusammenhänge und Handlungen bleiben unbestimmt, so dass traditionelle Gattungszuschreibungen nicht mehr greifen. Eine vollständige Loslösung findet allerdings auch nicht statt: Das Portrait ist auffälliger Bestandteil seines Oeuvres. In diesem bauen sich Bacons Bildräume meist ähnlich auf: Ein flächiger monochromer Hintergrund bildet die Folie für das Grundgerüst, das sich mitunter käfig- und vitrinenartig oder wie ein gebogenes Halbrund über den Bildraum erstreckt. So erscheint dieser zugleich als Innen-, Außen- und Bühnenraum auf dem die Figuren und Motive, die sich in Bacons Werken oftmals wiederholen, montiert werden. Die Art und Weise der Montage basiert zum einen auf dem Prinzip des (kalkulierten) Zufalls. Bacon schleudert Farbe auf die Leinwand, wischt über die noch flüssige Farbe oder trägt sie pastos auf und lässt sie verlaufen. Die daraus entstandenen Formen bearbeitet er auf Basis seiner Assoziationen. Zum anderen nutzt Bacon oftmals Fotografien als Vorlage. Besonders faszinieren ihn die Fotografien von Eadweard Muybridge (1830-1909), die sich der fotografischen Registrierung von Bewegung widmeten und sie in Einzelbildern und aufeinanderfolgenden Serien wiedergaben. Bacons deformierte Körper sind demnach Zeugnis seines Interesses für Bewegung, Dynamik und Energie, die er innerhalb einer Figur - nicht wie Muybridge seriell - zu erfassen suchte. Desweiteren interessieren ihn Dokumentarfotografien, Abbildungen in Fachbüchern aber auch Reproduktionen bekannter Kunstwerke. Zu seinen berühmtesten Werken zählen seine Papstbilder, die angelehnt an Diego Velazquez' Werk "Papst Innozenz X" (1650) entstanden. Sie zeigen das Kirchenoberhaupt zumeist mit aufgerissenem Mund, mehr an seinen Sitz klammernd als thronend und in einem sich um ihn herum auflösenden Raum. Bacons Werke sind also nicht nur hochkomplex was ihre visuelle und sprachliche Erfassung, sondern auch die Vielzahl an historischen und kunstgeschichtlichen Andeutungen betrifft. Da mag es vielleicht überraschen zu erfahren, dass sich der 1909 in Dublin geborene Francis Bacon der Kunst autodidaktisch näherte und sich Ende der 20er Jahre zunächst als Designer zu behaupten versuchte. Die wenigen erhaltenen fotografischen Zeugnisse zeigen moderne, von Glas und Chrom beherrschte Innenräume, deren Teppiche abstrakte, geometrische Formen aufweisen. Als er sich zu Beginn der 30er Jahre dann der Ölmalerei zuwandte, behielt er den abstrakten Stil bei, verknüpfte ihn mit figurativen Elementen und gelangte so zu seiner persönlichen Handschrift. In der Spannung von Abstraktion und Figuration fand Bacon die Möglichkeit sich dem malerischen Studium und der Analyse der menschlichen Figur in Bewegung zu widmen.

Linda Schröer, kunstaspekte 2011

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